Die Befragung “Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum” (BJS) findet seit dem Schuljahr 2004/2005 alle vier Jahre statt. Die erstmalige Durchführung erfolgte auf Initiative der Landessuchtkonferenz Brandenburg (LSK). Im Schuljahr 2024/25 wurde die 6. Welle der Erhebung, basierend auf dem Beschluss des 8. Plenums der LSK im Juni 2024, umgesetzt. Zielgruppe der Befragung sind Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen im gesamten Land Brandenburg. Die zentrale Fragestellung der BJS-Studie zielt auf den Suchtmittelkonsum dieser Altersgruppe ab. Der anonym auszufüllende Fragebogen beinhaltet also Fragen zum Konsum von Tabak und Alkohol, aber auch von weiteren Substanzen. Darüber hinaus werden die Jugendlichen zur Dauer ihres täglichen Medienkonsums, Erfahrungen mit Cyber-Mobbing, sowohl als Opfer als auch als Täter, und ihrer Lebenszufriedenheit befragt. In der 6. Welle neu aufgenommene Fragen betreffen die Motive der Jugendlichen für den Substanzkonsum und die Zugangswege zu den konsumierten Substanzen, um frühzeitig Risiken erkennen zu können und die Entwicklung präventiver Maßnahmen zu ermöglichen.
Für die 6. Welle der BJS-Studie übernahm erstmals das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt des Landes Brandenburg (MASGZ) die Studienleitung. Unterstützt wurde die Umsetzung der Studie vom Arbeitskreis „Daten und Berichterstattung“ der Landessuchtkonferenz.
Die Befragung wurde erstmals über einen Online-Fragebogen umgesetzt, um die Qualität der Daten zu steigern und Ressourcen der unterstützenden Partner vor Ort wie beispielsweise der Gesundheitsämter und Schulen zu schonen. Die Studie wurde in einigen Regionen Brandenburgs durch überregionale Suchtpräventionsfachkräfte sowie Mitarbeitende der Gesundheitsämter beworben und bei der Durchführung der Befragung innerhalb der Schulen unterstützt.
Die technische Umsetzung der Befragung wurde über Mittel aus der Digitalisierungsstrategie für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) des Landes Brandenburg im Rahmen des Paktes für den ÖGD von der Europäischen Union über den Investitionsfond NextGenerationEU gefördert.
Die Befragung „Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum – Welle 6“ ist unter der Registriernummer 34/2024 beim zuständigen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) als wissenschaftliche Untersuchung registriert und genehmigt.
Im ersten Schritt wurden vorbereitend alle weiterführenden Schulen im Land Brandenburg basierend auf der öffentlich zugänglichen Schulliste des MBJS kontaktiert. Darüber hinaus wurden ab Juni 2024 Informationsveranstaltungen für regionale und überregionale Akteure der Suchthilfe und Suchtprävention sowie für die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte des Landes Brandenburg angeboten.
Die Studienteilnahme setzte das Durchlaufen eines mehrstufigen Zustimmungsprozesses voraus. Zunächst war eine Entscheidung der Schulkonferenz zur Teilnahme der jeweiligen Schule an der wissenschaftlichen Untersuchung nach § 91 Abs. 3 Nr. 9 Brandenburgisches Schulgesetz (BbgSchulG) einzuholen. Die Schulkonferenz setzt sich dabei nach § 90 Abs. 1 BbgSchulG aus Vertreterinnen und Vertretern der Konferenz der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler, der Elternkonferenz, Vertreterinnen und Vertretern des Schulträgers sowie der Schulleitung zusammen. Nachfolgend war die Erlaubnis der Personensorgeberechtigten für die Teilnahme der Jugendlichen an der Studie einzuholen. Schlussendlich konnten die Jugendlichen selbst vor Ausfüllen des Online-Fragebogens über die Teilnahme an der Studie entscheiden.
Der initiale Befragungszeitraum lag im ersten Halbjahr des Schuljahres 2024/2025, zwischen dem 01. September 2024 und dem 31. Januar 2025. Aufgrund des zunächst geringen Rücklaufs wurde der Befragungszeitraum mit Genehmigung des MBJS bis zum 14. April 2025 verlängert.
Folgende Inhalte umfasste der Fragebogen der sechsten Welle der BJS-Studie:
Der Fragebogen der BJS-Studie wurde für die Durchführung der 6. Welle in einzelnen Abschnitten angepasst und um neue Inhalte ergänzt. Die Hälfte des Fragebogens (z.B. die Fragen zum Rauschtrinken oder auch Cyber-Mobbing) blieb unverändert, in vier Fragekomplexen wurden Ergänzungen bzw. Anpassungen vorgenommen. Zu den von Ergänzungen bzw. Anpassungen betroffenen Inhalten zählen die separate Erhebung des Konsums der Substanzen und des Wunsches zur Konsumreduktion sowie die Erhebung des Konsums ärztlich nicht verordneter Medikamente. Weiterhin wurde der Fragenblock zum Glücksspiel um eine Frage zum Spielen von Online-Spielen mit glücksspielähnlichen Inhalten wie Lootboxen ergänzt. Auch die Erhebung des Medienkonsums wurde um Fragen zur täglichen Dauer der Nutzung von Social Media, der Internetnutzung für schulische Belange, Hörbücher bzw. Podcasts sowie die Dauer des Konsums pornographischer Inhalte ergänzt. Neu aufgenommen wurden weiterhin zwei Fragen zu den Zugangswegen zu den konsumierten Substanzen und Motiven für den Substanzkonsum. Entfallen sind die beiden Fragen zur Durchschnittsnote am Ende des letzten Schuljahres und zur subjektiven Erhöhung des Alkoholkonsums der Jugendlichen. Der vollständige Fragebogen der BJS6 steht nachfolgend zum Download als PDF bereit.
Insgesamt nahmen 46 weiterführende Schulen aus 16 Landkreisen und kreisfreien Städten des Landes Brandenburg teil. Dies entspricht 11,8 % der weiterführenden Schulen im Land Brandenburg. Zum Befragungszeitpunkt waren 2.067 Schülerinnen und Schüler in den teilnehmenden Klassen anwesend. Es konnten die Fragebögen von 1.700 Schülerinnen und Schülern ausgewertet werden, was einer Rücklaufquote von 82,2 % zum Befragungszeitpunkt entspricht. Insgesamt beträgt der Anteil der Teilnehmenden an allen Schülerinnen und Schülern innerhalb der 10. Klasse im Land Brandenburg, der sogenannten Grundgesamtheit, 7,4 % (Referenz: Schuldatenerhebung des Schuljahres 2024/25, MBJS). In vergleichbaren Erhebungen liegt die angestrebte Stichprobengröße bei 1.000 bis 1.500 Teilnehmenden pro Klassenstufe [1,2]. Tabelle 1 beinhaltet die Basisinformationen der realisierten Stichprobe der BJS6-Studie nach Geschlecht.
| Gesamt | Jungen | Mädchen |
Divers bzw. nicht binär |
|
|---|---|---|---|---|
| Schulform | ||||
| Gymnasium | 932 | 410 | 506 | 16 |
| Gesamtschule mit Sekundarstufe II | 362 | 176 | 180 | 6 |
| Oberschule | 376 | 192 | 178 | 6 |
| Förderschule | 30 | 22 | 8 | 0 |
| Strukturraum | ||||
| Berliner Umland | 798 | 358 | 427 | 13 |
| Weiterer Metropolenraum | 902 | 442 | 445 | 15 |
| Teilregion | ||||
| Brandenburg Süd | 297 | 150 | 141 | 6 |
| Rest Brandenburgs | 1.403 | 650 | 731 | 22 |
| Schulträgerschaft | ||||
| Öffentliche Schule | 1.489 | 708 | 759 | 22 |
| Freie Trägerschaft | 211 | 92 | 113 | 6 |
| Gesamt | 1.700 | 800 | 872 | 28 |
Die Teilnehmenden der BJS6 im Schuljahr 2024/2025 waren zwischen 14 und
19 Jahren alt. Das Durchschnittsalter lag wie auch in der vorherigen
Welle 5 bei 15,5 Jahren. Knapp 47 % der teilnehmenden Jugendlichen waren
männlich und 51,3 % weiblich. Der Anteil der Gruppe der Jugendlichen,
die sich als divers bzw. nicht binär betrachten, lag bei 1,6 % (vgl.
Tabelle 1). Aufgrund der geringen Anzahl diverser bzw. nicht binärer
Jugendlicher erfolgt für diese keine separate Auswertung. Bezüglich der
Schulform ist zu beobachten, dass innerhalb der realisierten Stichprobe
mehr als die Hälfte der Jugendlichen (54,8 %) Gymnasien und jeweils
circa ein Fünftel Oberschulen (22,1 %) und Gesamtschulen (21,3 %)
besuchten. 1,8 % der Schülerinnen und Schüler besuchten Förderschulen.
Bezüglich der Trägerschaft der Schulen waren 87,6 % der Schülerinnen und
Schüler Schulen mit einem öffentlichen Träger und 12,4 % Schulen mit
einem freien Träger zuzuordnen.
Für regionale Auswertungen innerhalb des Landes Brandenburg werden im Rahmen der BJS-Studie zwei regionale Gliederungsebenen unterschieden. Einerseits handelt es sich um die regionale Gliederung, die das „Berliner Umland“ und den „Weiteren Metropolenraum“ unterscheidet („Strukturräume“). Das Berliner Umland umfasst hierbei die 51 stark mit Berlin verflochtenen Städte und Gemeinden. Zum Weiteren Metropolenraum gehören die weiter von Berlin entfernten kreisfreien Städte Cottbus/Chósebuz, Brandenburg an der Havel und Frankfurt (Oder) und die in weiten Teilen ländlich geprägten Landkreisteile bzw. Landkreise (Abbildung 2). Innerhalb der Stichprobe der BJS6 besuchten 46,9 % der Jugendlichen Schulen im Berliner Umland und 53,1 % Schulen im weiteren Metropolenraum. Neben dem Berliner Umland und dem Weiteren Metropolenraum kann aber auch der Süden Brandenburgs gesondert betrachtet werden. Dieser umfasst die kreisfreie Stadt Cottbus/Chóśebuz sowie die Landkreise Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße (Abbildung 3). Insgesamt ist die gesonderte Betrachtung des Südens von Brandenburg aufgrund spezifischer struktureller und demographischer Rahmenbedingungen sowie der Nähe zu Sachsen geboten. Die Stichprobe der BJS6 weist einen Anteil von 17,5 % an Jugendlichen aus, die eine Schule im Süden Brandenburgs besuchte.
Um die Repräsentativität der Daten für das Land Brandenburg einzuschätzen, wurden die Verteilungen verschiedener Merkmale der Stichprobe der BJS6-Studie und der Grundgesamtheit, basierend auf Informationen der Schuldatenerhebung des MBJS und Bevölkerungsdaten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg (AfS), gegenübergestellt. Betrachtet wurden die Verteilungen des Geschlechts, der Schulform, der Strukturräume Berliner Umland und Weiterer Metropolenraum, sowie der Teilregion Brandenburg Süd. Auch die Verteilung nach öffentlichen und freien Trägern der Schulen wurde geprüft.
Abbildung 4 stellt die Verteilungen der ausgewählten Merkmale innerhalb der Stichprobe der jeweiligen Verteilung innerhalb der Grundgesamtheit gegenüber. Es wird deutlich, dass Mädchen, Schülerinnen und Schüler an Gymnasien, aus dem Berliner Umland und aus Brandenburg Süd überproportional innerhalb der Stichprobe vertreten sind. Die Geschlechter- sowie die regionalen Verteilungen weichen moderat (bis zu 3,8 Prozentpunkte) ab, wohingegen bei den Verteilungen der Schulformen deutliche Abweichungen zwischen Stichprobe und Grundgesamtheit vorliegen (bis zu 15,1 Prozentpunkte). Bezüglich der Schulträgerschaft weicht die Stichprobe der BJS6 nur geringfügig von der Grundgesamtheit ab (circa 1,5 Prozentpunkte). Aufgrund der Abweichungen der Verteilungen der Geschlechter, der Schulformen und der regionalen Differenzierung ist von einer eingeschränkten Repräsentativität der Stichprobe der BJS6 für das Land Brandenburg auszugehen. Um diese abweichende Merkmalsverteilung innerhalb der Stichprobe an die der Grundgesamtheit anzugleichen, wurde ein Gewichtungsverfahren, die sogenannte Raking-Gewichtung, herangezogen [3]. Als Zielverteilung dient die Verteilung der Merkmale Geschlecht, Schulform, Strukturraum und Teilregion innerhalb der Grundgesamtheit. Die Qualität der Raking-Gewichtung wurde anhand des Anteils der Extremgewichte und des Variationskoeffizienten (CV) der Gewichte beurteilt. Es waren keine Extremgewichte festzustellen und der Variationskoeffizient war mit einem Wert von CV = 0,39 moderat. Er lag somit unter dem kritischen Schwellenwert von 0,5 und kann als akzeptabel eingestuft werden [4,5].
1 Schuldatenerhebung Schuljahr 2024/25, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg (MBJS) (Stichtag: 30.09.2024)
2 Durchschnittliche Bevölkerung im Jahr 2024 für die Altersjahre 15 und 16, Amt für Statistik Berlin Brandenburg (AfS)
Abbildung 4: Vergleich der Merkmalsverteilungen innerhalb der Stichprobe der BJS6 und der Grundgesamtheit anhand des Geschlechts, der Schulform, der Region sowie Schulträgerschaft
Mittels der erfolgreichen Umsetzung der zuvor beschriebenen
Raking-Gewichtung erfolgt ein Ausgleich der strukturellen Abweichungen
hinsichtlich des Geschlechts, der Schulform sowie Region zwischen
Stichprobe und Grundgesamtheit. Auf dieser Grundlage können
aussagekräftige Ergebnisse für die Schülerinnen und Schüler im Land
Brandenburg generiert werden.
Zur Beschreibung der Ergebnisse werden vorrangig relative Häufigkeiten, also Anteile, dargestellt, um Merkmalsverteilungen abzubilden.
Die Stratifizierungsmerkmale Geschlecht, Schulform und Region werden herangezogen, um die Häufigkeiten des Substanzkonsums, des Medienkonsums und weiterer Inhalte darzustellen. Aufgrund kleiner Fallzahlen wird bei der Stratifizierung nach Geschlecht auf eine Ausweisung der Ergebnisse für die Gruppe der Jugendlichen, die sich als divers bzw. nicht binär betrachten, verzichtet. Bei den Schulformen handelt es sich um Gymnasien, Gesamtschulen mit Sekundarstufe II, Oberschulen und Förderschulen. Zur Verbesserung des Leseflusses wird im Rahmen des Ergebnisberichtes nur von Gesamtschulen gesprochen.
Außerdem werden Entwicklungstrends zwischen der BJS1 im Schuljahr 2004/2005 und der BJS6 im Schuljahr 2024/2025 abgebildet.
Zur Einordnung beobachteter Unterschiede zwischen einzelnen Gruppenwurden geeignete statistische Tests durchgeführt. Weiterhin wurden Effektstärken und dazugehörige Konfidenzintervalle berechnet, um die jeweilige Größe und praktische Bedeutsamkeit der beobachteten Unterschiede bzw. Zusammenhänge beurteilen zu können.
Für die berechneten Mittelwertvergleiche wurde zur Berücksichtigung des Stichproben- und Auswertungsdesigns der Welch-Test herangezogen. Dieser ist auch robust gegenüber Varianzungleichheit (Heteroskedastizität) [6].
Für die berechneten Chi-Quadrat-Tests zur Bestimmung von Gruppenunterschieden nominalskalierter Variablen wie zum Beispiel der Konsumhäufigkeiten nach Schulform wurden aufgrund der Besonderheit der Gewichtung der Stichprobe nach Rao-Scott korrigierte Chi-Quadrat-Tests durchgeführt [7]. Für die Chi-Quadrat-Tests wurde jeweils das Effektstärkemaß Cramer’s V bestimmt.
Zur Quantifizierung der Effektstärken von Gruppenunterschieden, beispielsweise der Konsumhäufigkeiten von Jungen und Mädchen, wurden Mann-Whitney-U-Tests und biseriale Rangkorrelationen (rrb) berechnet. Dieses Effektstärkemaß basiert auf dem paarweisen Vergleich aller Beobachtungen zwischen zwei Gruppen. Der Koeffizient kann Werte zwischen -1 und +1 annehmen, wobei 0 auf keinen Unterschied zwischen den Gruppen hindeutet. Die Vorzeichen kennzeichnen die Richtung des Unterschiedes.
Weiterhin wurde zur Bestimmung von Zusammenhängen der Lebenszufriedenheit mit der Konsumhäufigkeit von Tabak, E-Zigaretten, Alkohol und Haschisch sowie der Dauer des täglichen Fernsehens/Streamings, des Gamings sowie der Social Media-Nutzung und das Lesen von Büchern gewichtete Spearman-Rangkorrelationen berechnet. Zur Erleichterung der Interpretation wurde hier im Vorfeld die Variable Lebenszufriedenheit umkodiert (ursprünglich: 1 „ganz und gar zufrieden“ bis 5 „ganz und gar nicht zufrieden“; umkodiert: 1 „ganz und gar unzufrieden“ bis 5 „ganz und gar zufrieden“). Ein positiver Korrelationskoeffizient Spearman’sches Rho ρ spräche dafür, dass eine höhere Nutzungs- bzw. Konsumhäufigkeit mit einer höheren Lebenszufriedenheit einhergeht.
Für die Interpretation der Größe von Effektstärkemaße wurde die Konvention von Cohen herangezogen mit |r| ≥ 0,1 für einen kleinen Effekt, |r| ≥ 0,3 für einen mittleren und |r| ≥ 0,5 für einen starken Effekt [9].
Die Konfidenzintervalle (KI) werden herangezogen, um den Bereich zu bestimmen, der den wahren Wert mit 95% Wahrscheinlichkeit überdeckt. Enthält ein 95%-Konfidenzintervall den Wert 0, kann davon ausgegangen werden, dass es sich nicht um einen statistisch belastbaren Effekt handelt. Für die Effektstärkemaße wurde jeweils ein bootstrap-basiertes 95%-Konfidenzintervall (KI) (2.000 Replikationen) berechnet [10].
Die Ergebnisse werden basierend auf der gewichteten Stichprobe dargestellt.
Jugendliche sind aufgrund ihres nicht abgeschlossenen Wachstums und noch fortschreitender Reifungsprozesse vulnerabel gegenüber den möglichen Folgen des Substanzkonsums. Der Konsum von Tabak, Alkohol, Cannabis und weiteren Substanzen kann sich besonders in dieser Altersgruppe negativ auf die physische und psychische Gesundheit auswirken. Vor diesem Hintergrund stellen Jugendliche eine vorrangige Zielgruppe für präventive Maßnahmen dar [11]. Die Entwicklung des Substanzkonsums soll auch vor dem Hintergrund von politischen Entwicklungen wie der Teillegalisierung von Cannabis für Erwachsene im Jahr 2024 oder der gestiegenen Verfügbarkeit von E-Zigaretten und Vaporizern (auch Vapes genannt) betrachtet werden.
Rauchen bzw. der Konsum von Tabak stellt in den Industrienationen also auch in Deutschland das bedeutendste Gesundheitsrisiko sowie die häufigste Ursache für vermeidbare Erkrankungen und Sterbefälle überhaupt dar. Mit dem Rauchen sind insbesondere Herz- und Kreislauferkrankungen aber auch Krebserkrankungen assoziiert [12,13].
Nach § 10 Jugendschutzgesetz (JuSchG) ist sowohl die Abgabe an als auch das Konsumieren von Tabakwaren oder anderen nikotinhaltigen Erzeugnissen für Kinder und Jugendliche verboten.
In der sechsten Welle der BJS-Studie im Schuljahr 2024/2025 lag der Anteil der täglich rauchenden Jungen mit 12,2 % etwas höher als der der Mädchen (9,8 %). Mädchen rauchten insgesamt häufiger unregelmäßig (also hin und wieder bis maximal dreimal im Monat 15,1 % vs. 8,0 %) sowie regelmäßig (also wöchentlich 6,0 % vs. 3,9 %). Jeweils circa 13 % der Jungen und Mädchen gaben an, dass sie Tabak lediglich einmal probiert hatten. Insgesamt 62,1 % der Jungen und 55,5 % der Mädchen gaben an, dass sie noch nie Tabak konsumiert haben.
Es konnte ein Unterschied im Tabakkonsum zwischen den beiden Geschlechtergruppen festgestellt werden. Als Effektstärkemaß dient die gewichtete biseriale Rangkorrelation (rrb), die für den Vergleich der Konsumhäufigkeiten von Jungen und Mädchen mit einem Wert von (rrb) = - ,06 (95%-KI [-0,120; -0,006]) einen Effekt unterhalb des Referenzwertes für einen kleinen Effekt ergab. Somit ist nicht von einer inhaltlichen Relevanz auszugehen.
Abbildung 5: Konsumhäufigkeit von Tabak nach Geschlecht (BJS6)
Bei Betrachtung des Tabakkonsums nach Schulform liegt der
Anteil der täglich rauchenden Jugendlichen an Oberschulen mit 18,9 % am
höchsten und an Gymnasien mit 4,8 % am niedrigsten. Dazwischen mit
jeweils rund 10 % liegen die Anteile täglich rauchender Jugendlicher an
Förderschulen sowie an Gesamtschulen. Dieser Unterschied entsprach einer
kleinen bis mittleren Effektstärke (Chi-Quadrat Test: Cramer’s
V = 0,199; 95%-KI [0,146; 0,246]).
Innerhalb der Schulformen zeigen sich besonders bei den Gesamtschulen deutliche Unterschiede in den Anteilen der täglich rauchenden Jungen und Mädchen. Der Anteil der Jungen lag hier bei 14,4 % und der der Mädchen bei 5,1 %. Die Anteile an Oberschulen und Gymnasien lagen für Jungen und Mädchen jeweils auf einem vergleichbaren Niveau (Abbildung 6).
Abbildung 6 zeigt ebenso regionale Unterschiede im Tabakkonsum der Jugendlichen. Im Berliner Umland lag der Anteil der Jugendlichen mit täglichem Tabakkonsums bei 6,9 % und im weiteren Metropolenraum bei 14,5 %. Der Anteil täglich rauchender Jugendlicher lag im Süden Brandenburgs bei insgesamt 9,2 %, wobei hier der Anteil der Mädchen mit 10,2 % etwas über dem der Jungen lag (8,7 %). Der Anteil der täglich Tabak konsumierenden Jugendlichen unterschied sich zwischen dem Berliner Umland und dem Weiteren Metropolenraum mit kleinem Effekt (Chi-Quadrat Test: Cramer’s V = 0,118; 95%-KI [0,046; 0,166]). Für Brandenburg Süd zeigte sich kein vergleichbarer Effekt.
Abbildung 6: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Tabakkonsums nach Schulform und Regionen (BJS6)
Im Zeitverlauf zeigte sich nach einem stetigen Rückgang des
Anteils der täglich rauchenden Jugendlichen von 32,3 % bei der BJS1 auf
9,9 % bei der BJS5 ein leicht gestiegener Anteil auf 11,2 % in der BJS6.
Der Anteil der wöchentlich rauchenden Jugendlichen lag vor 20 Jahren bei
6,6 % und in 2024/2025 bei 4,9 %. Ein erneuter Anstieg des Anteils des
Rauchens unter Kindern und Jugendlichen wurde ebenso in der Studie
Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) 2022 im Vergleich zur
vorherigen Erhebung im Jahr 2018 im Land Brandenburg beobachtet [2].
Abbildung 7: Häufigkeit des Tabakkonsums unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Weitere Formen des Tabakkonsums
Erstmals erhoben wurden im Rahmen der BJS6 im Schuljahr 2024/2025 die Häufigkeit des Tabakkonsums in Form von Shishas bzw. Wasserpfeifen und Tabakerhitzern. Die Konsumhäufigkeiten lagen hier deutlich unter den Häufigkeiten des konventionellen Tabakkonsums in Form von Zigaretten. Insgesamt gaben 20,9 % der Jugendlichen an, dass sie jemals Shisha bzw. Wasserpfeife geraucht haben. Der Anteil des mindestens wöchentlichen Konsums lag bei 1,8 %. Seltener wurden Tabakerhitzer konsumiert. Insgesamt gaben 8,1 % an, dass sie jemals also mindestens einmal und 1,3 %, dass sie wöchentlich Tabak mittels Tabakerhitzern konsumiert haben.
Im Gegensatz zum konventionellen Tabakkonsum, beispielsweise beim Rauchen von Zigaretten, wird beim Gebrauch von E-Zigaretten, E-Shishas bzw. Vaporizern (auch Vapes genannt) kein Tabak verbrannt, sondern eine Flüssigkeit mittels Batterie oder Akku erhitzt und verdampft. Neben dem Vernebelungsmittel (z.B. Propylenglycol und Glycerin) als Hauptbestandteil enthalten die sogenannten Liquids häufig auch Nikotin, Aromen und andere Inhaltsstoffe. Laut den Ergebnissen der Drogenaffinitätsstudie 2025 lag unter den 12- bis 17-jährigen Konsumentinnen und Konsumenten von Mehrweg-E-Zigaretten der Anteil derer, die nikotinhaltige Liquids verwendeten, bei 93,2 % [14].
Obwohl in diesen keine schädlichen Substanzen wie Kohlenmonoxid, Blausäure oder krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe wie bei der Verbrennung herkömmlicher Zigaretten entstehen, zeigen sich dennoch Auswirkungen auf die Atemwegsgesundheit sowie kurzfristige Belastungen von Herz und Gefäßen besonders durch enthaltenes Nikotin [15]. Die Langzeitfolgen sind bisher unbekannt [16]. Weiterhin ist der Konsum von E-Zigaretten bzw. E-Shishas unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Umständen mit dem späteren Konsum von herkömmlichem Tabak in Form von Zigaretten assoziiert [17].
Im Vergleich zu anderen nikotinhaltigen Produkten wie Tabakerhitzern ist der Konsum von E-Zigaretten, E-Shishas und Vaporizern in Welle 6 der BJS-Studie weit verbreitet. Ungefähr jede bzw. jeder zweite Jugendliche gab an, jemals diese Produkte konsumiert zu haben. Rund 20 % nutzten diese mindestens wöchentlich und der Anteil der täglich konsumierenden Jugendlichen lag bei 13,1 %. Mit Ausnahme des einmaligen Probierkonsums lagen die Anteile der Konsumhäufigkeiten bei Mädchen über denen der Jungen. Besonders auffällig wird dies beim täglichen Konsum (Jungen: 10,9 %; Mädchen: 15,1 %).
Bezüglich der zwischen Jungen und Mädchen unterschiedlichen Konsumhäufigkeit von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern zeigte sich ein kleiner Effekt (Biseriale Rangkorrelation (rrb) = - ,105; 95%-KI [-0,16; -0,05]), wobei Mädchen tendenziell eine höhere Konsumhäufigkeit aufweisen.
Abbildung 8: Konsumhäufigkeit von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern nach Geschlecht (BJS6)
Ebenso wie zuvor beim Tabakkonsum war bei der Betrachtung nach
Schulform der höchste Anteil Jugendlicher mit täglichem Konsum
an Oberschulen zu verzeichnen (21,5 %) und der niedrigste unter
Jugendlichen an Gymnasien (7 %). An Förderschulen gaben 13,4 % und an
Gesamtschulen 9,7 % der Jugendlichen an, täglich E-Zigaretten, E-Shishas
oder Vaporizer zu konsumieren. Der Anteil der täglich E-Zigaretten
konsumierenden Jugendlichen unterschied sich zwischen den Schulformen
mit einem Effekt kleiner bis mittlerer Stärke (Chi-Quadrat-Test:
Cramer’s V = 0,2; 95%-KI [0,14; 0,25]).
Innerhalb der Schulformen zeigten sich weiterhin Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen in der Häufigkeit des täglichen Konsums von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern. Besonders hoch fällt dieser mit 21,5 Prozentpunkten an Oberschulen aus (Jungen: 15 %; Mädchen: 28,7 %). Für Gesamtschulen lag die Differenz ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau bei rund 3 Prozentpunkten und an Gymnasien bei rund einem Prozentpunkt.
Wie beim konventionellen Tabakkonsum bestehen auch beim Konsum von E-Zigaretten und vergleichbaren Produkten regionale Unterschiede. Der Anteil der Jugendlichen, die täglich konsumierten, lag im Berliner Umland bei 10,7 % und im weiteren Metropolenraum bei 14,9 %. Während der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen im Berliner Umland lediglich bei 1,5 Prozentpunkten lag, lag der Anteil der konsumierenden Mädchen im Weiteren Metropolenraum 6,4 Prozentpunkte über dem Anteil der konsumierenden Jungen. Im Brandenburger Süden lag der Anteil der vapenden Jugendlichen bei 8,9 % (Abbildung 9). Für die Unterschiede zwischen dem Berliner Umland und dem weiteren Metropolenraum (Chi-Quadrat-Test: Berliner Umland und Weiterer Metropolenraum Cramer’s V = 0,06; 95%-KI [0,01; 0,11]) sowie für Brandenburg Süd (Cramer’s V = 0,05; 95%-KI [0,00; 0,09]) zeigten sich vernachlässigbar kleine Effekte unterhalb der Referenzschwelle für einen kleinen Effekt.
Besonders hoch fällt der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen außerdem im Weiteren Metropolenraum aus. Während im Berliner Umland 9,8 % der Jungen und 11,3 % der Mädchen täglich konsumierten (Differenz: 1,5 Prozentpunkte), waren es im Weiteren Metropolenraum 11,8 % der Jungen und 18,2 % der Mädchen (Differenz: 6,4 Prozentpunkte).
Abbildung 9: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Konsums von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern nach Schulform und Regionen (BJS6)
Eine zeitliche Betrachtung ist ab BJS5 im Schuljahr 2020/2021
möglich, in der erstmals der Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas
erhoben wurde. Der Anteil der Jugendlichen, die täglich diese Produkte
konsumierten, ist von 1,2 % in 2020/21 um rund 12 Prozentpunkte auf 13,1
% bei der BJS6 angestiegen. Der Anteil hat sich im Vergleich von BJS5 zu
BJS6 also mehr als verzehnfacht. Weitere 6,6 % der Jugendlichen gaben in
der sechsten Welle an, dass sie wöchentlich (aber weniger als täglich)
E-Zigaretten konsumierten. Im Vergleich beider Erhebungswellen zeigt
sich, dass der Anteil der Jugendlichen, die weniger als wöchentlich
(inkl. nie) diese Produkte konsumierten im Jahr 2020/21 bei rund 94 %
und bei der BJS6 mit 79,2 % circa 15 Prozentpunkte niedriger lag.
Abbildung 10: Häufigkeit des Konsums von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Auch bundesweit konnte im Rahmen der Drogenaffinitätsstudie sowie einer
Auswertung des Präventionsradars ein langfristiger Anstieg des Konsums
von Einweg-E-Zigaretten festgestellt werden [11,18].
Das Spektrum nikotinhaltiger Produkte hat sich zuletzt stark erweitert, wie beispielsweise um Einweg-E-Zigaretten und Nikotinbeutel. Der Einstieg in den Konsum nikotinhaltiger Produkte im Jugendalter kann die Wahrscheinlichkeit für den Konsum mehrerer Produkte sowie für eine Abhängigkeit erhöhen [19].
Abbildung 11 zeigt die Anteile der Jugendlichen, die regelmäßig (mindestens wöchentlich) eines bzw. mehrere potenziell nikotinhaltige Produkte wie konventionellen Tabak, E-Zigaretten und E-Shishas aber auch neure Einweg-E-Zigaretten, Tabakerhitzer oder Wasserpfeifen konsumieren. Mehr als jede/-r Zehnte konsumierte eines der genannten Produkte regelmäßig (13,7 %) und weitere rund 10 Prozent konsumierten zwei Produkte (9,6 %). Deutlich seltener wurden mehr als zwei der vorgegebenen Produkte regelmäßig konsumiert.
Unter allen Jugendlichen, die regelmäßig tabak- bzw. potenziell nikotinhaltige Produkte konsumierten, gaben 7 % an, auf drei oder mehr der oben genannten Formen des Konsums zurückzugreifen. Mehr als ein Drittel (38,3 %) griffen auf zwei und 54,7 % auf lediglich eine Form des Konsums von tabak- bzw. nikotinhaltigen Produkten zurück.
Abbildung 11: Anzahl regelmäßig konsumierter und potenziell nikotinhaltiger Produkte (Tabak, E-Zigarette, Shisha, Tabakerhitzer) unter Jugendlichen (BJS6)
Die häufigste Kombination war dabei der gleichzeitige regelmäßige Konsum
von Tabak und E-Zigaretten mit einem Anteil von 9 %. Danach folgte der
alleinige Konsum von E-Zigaretten mit 8,5 % und Tabak mit 5,2 % der
Jugendlichen. Die anderen Produkte wurden mit jeweils unter einem
Prozent deutlich weniger häufig einzeln bzw. in Kombination regelmäßig
konsumiert.
Betrachtet man die regelmäßig E-Zigaretten/E-Shisha/Vaporizer konsumierenden Jugendlichen rauchte rund die Hälfte (52,3 %) ebenso regelmäßig also mindestens wöchentlich Tabak. Unter den mindestens hin und wieder Tabak rauchenden Jugendlichen konsumierten 88,1 % ebenso mindestens hin und wieder E-Zigaretten/E-Shisha/Vaporizer. Der Anteil der regelmäßig E-Zigaretten/E-Shisha/Vaporizer konsumierenden Jugendlichen unter den regelmäßig Tabak konsumierenden Jugendlichen lag mit 65,4 % höher.
Der parallele Konsum mehrerer potenziell nikotinhaltiger Produkte kann die langfristige Entwicklung einer Nikotinabhängigkeit begünstigen [14].
Abbildung 12 verdeutlicht, dass im Vergleich der Wellen 5 und 6 mit
der steigenden Verbreitung des Konsums von
E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern kein Rückgang des klassischen
Tabakkonsums unter den Brandenburger Jugendlichen einherging. Während
der Anteil der Tabak konsumierenden Jugendlichen recht stabil war, stieg
der Konsum von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern und deutet eher auf
einen zusätzlichen Konsum dieser Produkte hin. Vergleichbare Ergebnisse
wie unter den Brandenburger Jugendlichen waren auch auf der Bundesebene
zu beobachten [14].
Abbildung 12: Häufigkeit des Tabak- und E-Zigarettenkonsums unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Mit dem Konsum von Alkohol ist die Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen aber auch das Vorkommen von Verletzungen z.B. durch Unfälle assoziiert [20]. In Abhängigkeit von der konsumierten Alkoholmenge zeigen sich im Rauschzustand körperliche und psychische Reaktionen wie Störungen des Gleichgewichtes, gesteigerte Reizbarkeit oder auch eine Reduktion der Konzentrationsfähigkeit [21]. Werden sehr hohe Mengen an Alkohol konsumiert, kann dies zur Alkoholvergiftung führen. Der Alkoholkonsum im Jugendalter wird dabei besonders von Gleichaltrigen also Peers beeinflusst [22]. Ein früher Beginn des Alkoholkonsums stellt dabei einen Risikofaktor für die Entwicklung einer späteren Alkoholabhängigkeit dar [23].
Die Ergebnisse der BJS6-Studie zeigen, dass in Brandenburg im Gegensatz zu anderen Substanzen der Konsum von Alkohol unter Jugendlichen weit verbreitet ist. Rund ein Prozent der Jugendlichen gab an, dass sie täglich und circa 13 %, dass sie wöchentlich Alkohol konsumierten – Jungen mit 15,6 % waren hier deutlich häufiger vertreten als Mädchen mit 7,6 % (vgl. Abbildung 13). Am häufigsten wurde Alkohol mit einem Anteil von 55,2 % unregelmäßig, also hin und wieder, bis ein bis dreimal im Monat konsumiert (47 % der Jungen; 64,3 % der Mädchen). 14,2 % der Jungen und 12,0 % der Mädchen hatten Alkohol schon einmal probiert. Insgesamt 21,2 % der Jungen und 15 % der Mädchen gaben zum Zeitpunkt der Befragung an, dass sie noch nie Alkohol konsumiert hatten (insgesamt: 18,2 %).
Es konnte bei der Gesamtbetrachtung der Konsumhäufigkeiten von Alkohol kein praktisch bedeutsamer Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gefunden werden, die Effektstärke lag mit (rrb) = -0,01 unterhalb der Referenzschwelle für einen kleinen Effekt (95%-KI [-0,07; 0,05]).
Abbildung 13: Konsumhäufigkeit von Alkohol nach Geschlecht (BJS6)
Die Unterschiede zwischen den Jugendlichen der verschiedenen Schulformen fallen geringer aus als zuvor beim Tabakkonsum bzw. Konsum von E-Zigaretten. Der Anteil des mindestens wöchentlichen Alkoholkonsums lag mit 16,3 % an Oberschulen am höchsten, gefolgt von Gesamtschulen (12 %), Gymnasien (10,3 %) und Förderschulen (9,9 %). Dieser Unterschied entsprach einem vernachlässigbaren Effekt (Chi-Quadrat-Test: Cramer’s V = 0,08; 95%-KI [0,03; 0,13]).
Zwischen den Schulformen zeigen sich außerdem Unterschiede in den Anteilen der Jungen und Mädchen mit mindestens wöchentlichem Alkoholkonsum. Jungen berichteten konstant einen höheren mindestens wöchentlichen Alkoholkonsum, wobei der Unterschied bei Jugendlichen in Oberschulen besonders stark ausgeprägt war (Jungen: 22,6 %; Mädchen: 8,4 %) (vgl. Abbildung 14).
Im regionalen Vergleich lag der Anteil der Jugendlichen mit mindestens wöchentlichem Alkoholkonsum im Berliner Umland bei 10,4 % und im weiteren Metropolenraum bei 14,7 %. Die Anteile der Jungen lagen mit 13,3 % im Berliner Umland und 19,5 % im Weiteren Metropolenraum jeweils circa doppelt so hoch wie die Anteile der Mädchen. Im Süden Brandenburgs lag der Anteil mindestens wöchentlich Alkohol konsumierender Jugendlicher bei 11,7 % (Abbildung 14). Der Unterschied bezüglich des Berliner Umlandes und Weiteren Metropolenraumes entsprach einem vernachlässigbaren Effekt (Chi-Quadrat Test: Cramer’s V = 0,06; 95%-KI [0,01; 0,11]). Ebenso zeigte sich kein Effekt für Brandenburg Süd.
1 Für die Kennzahl Täglich werden aufgrund kleiner Fallzahlen keine nach Geschlecht getrennten Werte berichtet.
2 Für die Förderschule werden aufgrund kleiner Fallzahlen keine nach Geschlecht getrennten Werte berichtet.
Abbildung 14: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Konsums von Alkohol nach Schulform und Regionen (BJS6)
Im zeitlichen Verlauf zeigt sich ein Rückgang des regelmäßigen also mindestens wöchentlichen Konsums unter Jugendlichen zwischen BJS1 (Schuljahr 2004/2005) und BJS4 (Schuljahr 2016/2017) von 25,9 % auf 11,6 %. Im Schuljahr 2020/2021 (BJS5) lag der Anteil bei 12,0 % - seitdem hat er sich auf diesem Niveau weitestgehend stabilisiert (BJS6: 12,8 %). Angestiegen ist im Vergleich zur BJS5 allerdings der Anteil der unregelmäßig Alkohol konsumierenden Jugendlichen von 52,1 % auf 55,2 %, nachdem dieser zuvor rückläufig war (Vgl. BJS3: 63,7 %). Der Anteil der Jugendlichen, die Alkohol einmal probiert hatten, ist seit der ersten Befragung der BJS-Studie von 7,3 % auf 13,2 % angestiegen genauso wie der Anteil derer, die noch nie Alkohol konsumiert hatten (BJS1: 4,4 %; BJS6; 18,2 %).
Abbildung 15: Häufigkeit des Konsums von Alkohol unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Bundesweite Ergebnisse zeigten zuvor, dass der Alkoholkonsum unter
Jugendlichen und jungen Erwachsenen im langfristigen Trend
zurückgegangen ist und zuletzt mit 9,7 % der 12- bis 17-Jährigen, die
wöchentlich Alkohol konsumierten, auf etwas niedrigerem Niveau als in
Brandenburg stagnierte [11].
Regelmäßiges Rauschtrinken
Ein besonderes Phänomen im Bereich des Alkoholkonsums ist das sogenannte Rauschtrinken. Im Rahmen der BJS-Studie wird das regelmäßige Rauschtrinken betrachtet, welches definiert ist als der Konsum von mehr als fünf alkoholischen Getränken an mindestens drei Tagen im Monat. Insgesamt erfüllten im Schuljahr 2024/2025 (BJS6) 13,7 % der Jugendlichen diese Definition. Der Anteil der regelmäßig rauschtrinkenden Mädchen lag mit 10,8 % deutlich unter dem der Jungen mit 16,5 %. Es ist zu beachten, dass Rauschtrinken im Rahmen der BJS-Studie anders definiert wird als beispielsweise im Rahmen der bundesweiten Drogenaffinitätsstudie des BIÖG. Hier gilt der Konsum von vier (Mädchen) bzw. fünf (Jungen) Gläsern Alkohol oder mehr hintereinander an mindestens einem der letzten 30 Tage als Rauschtrinken [11]. Somit liegt die Grenze für Rauschtrinken für Mädchen in der konsumierten Alkoholmenge in der BJS-Studie höher und die Regelmäßigkeit wird stärker in den Fokus genommen, wodurch niedrigere Anteile erklärt werden könnten.
Beim Vergleich der Schulformen war regelmäßiges
Rauschtrinken im Schuljahr 2024/2025 mit 12,6 % an Gesamtschulen und mit
19,4 % an Oberschulen am häufigsten. Deutlich darunter lagen die
Schülerinnen und Schüler an Gymnasien (9,6 %) und Förderschulen (6,5 %).
Ebenso zeigten sich auch bei dieser besonderen Form des Alkoholkonsums
regionale Unterschiede: Im Berliner Umland lag der Anteil
rauschtrinkender Jugendlicher bei 10,8 % und im Weiteren Metropolenraum
bei 16,0 %. Im Brandenburger Süden berichteten 12,3 % der befragten
Jugendlichen von regelmäßigem Rauschtrinken.
Im Verlauf der letzten 20 Jahre ist ein deutlicher Rückgang des
Anteils regelmäßig rauschtrinkender Jugendlicher von 30,8 % (BJS1) um
mehr als die Hälfte auf 13,7 % (BJS6) zu beobachten. Der Anteil der
Mädchen ist hier zuletzt von BJS5 auf BJS6 noch einmal stärker
zurückgegangen als der Anteil rauschtrinkender Jungen (vgl. Abbildung
16). Insgesamt hat sich der Anteil regelmäßig rauschtrinkender Jungen
von 2004/05 bis 2024/25 um 21,2 Prozentpunkte auf 16,5 % bei der BJS6
reduziert (Mädchen: - 13,2 Prozentpunkte auf 10,8 %).
Abbildung 16: Anteile der Jugendlichen, die regelmäßiges Rauschtrinken betreiben im Zeitverlauf
Auch bundesweit konnte langfristig eine Reduktion des Rauschtrinkens
unter Jugendlichen beobachtet werden. Im Jahr 2023 gaben bundesweit 15,1
% der Jugendlichen an, in den letzten 30 Tagen Rauschtrinken praktiziert
zu haben [11].
Im Rahmen der BJS-Studie wird der Konsum von Cannabis erfragt. Dies erfasst den Gebrauch der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis) in Form getrockneter Blüten oder Blätter (Marihuana) oder des Pflanzenharzes in Form von gepressten Platten oder Blöcken (Haschisch). Das enthaltene Tetrahydrocannabinol (THC) ist die Ursache für die berauschende Wirkung. Kurzfristig reichen die Effekte des Cannabiskonsums von Euphorie und Entspannung bis hin zu Dysphorie, die unter Umständen von Angstsymptomen begleitet werden kann. Liegt eine Cannabisintoxikation vor, treten unter Umständen Störungen des Bewusstseins, der Kognition und Wahrnehmung, aber auch Störungen der Affekte, also der Stimmung und Emotionen auf [24].
Besonders wenn ein langfristiger Cannabiskonsum bereits im Jugendalter beginnt, ist dieser noch vor Erreichen des Erwachsenenalters potenziell mit kognitiven Einschränkungen, beispielsweise des Gedächtnisses, verbunden [25]. Weiterhin bestehen Zusammenhänge zwischen dem Cannabiskonsum und psychischen Störungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen bis hin zur Begünstigung des Ausbruches von Psychosen bei sehr wirkungsstarken Cannabissorten [26,27]. Ein Beginn des Konsums im Jugendalter steht darüber hinaus im Zusammenhang mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit der Entwicklung einer Abhängigkeit [28,29].
Vor dem Hintergrund der Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 in Deutschland ist der Konsum von Cannabis unter Jugendlichen im Rahmen der Auswertung der BJS6-Studie von besonderem Interesse. Durch das Konsumcannabisgesetz (KCanG) sind der Anbau und Besitz von Cannabis für Erwachsene in Teilen legal. Für Jugendliche der untersuchten Altersgruppe (vorrangig 15 bis 16 Jahre) ist der Konsum weiterhin illegal.
Bei der BJS6 lag der Anteil täglich Cannabis konsumierender Jugendlicher insgesamt bei 1,3 %. Einen regelmäßigen also mindestens wöchentlichen Konsum von Cannabis gaben im Land Brandenburg 3,2 % der Jugendlichen an, dabei Jungen mit 4,2 % häufiger als Mädchen mit 1,8 %. Zehn Prozent der Jugendlichen wiesen einen unregelmäßigen Konsum (hin und wieder bis ein- bis dreimal im Monat) auf (Jungen: 8,4 %; Mädchen: 11,3 %). Jede bzw. jeder zehnte Jugendliche gab an, Cannabis lediglich einmal probiert zu haben (10,2 %). Drei von vier Jugendlichen, 76,9 % der Jungen und 74,4 % der Mädchen gaben im Schuljahr 2024/2025 (BJS6) an, dass sie noch nie Cannabis konsumiert hatten (Abbildung 17).
Die Effektstärke für den Unterschied zwischen Jungen und Mädchen bei der Gesamtbetrachtung der Konsumhäufigkeiten von Cannabis lag unterhalb des Referenzwertes für einen kleinen Effekt (Biseriale Rangkorrelation: (rrb) = -0,02; 95%-KI [-0,02; 0,07]), womit nicht von einer inhaltlichen Relevanz auszugehen ist.
Abbildung 17: Konsumhäufigkeit von Cannabis nach Geschlecht (BJS6)
Abbildung 18 zeigt die Konsumhäufigkeiten von Cannabis sowohl nach
Schulform als auch nach Region. Betrachtet man den mindestens
wöchentlichen Konsum von Cannabis unter Jugendlichen nach Schulform,
zeigt sich, dass der Anteil bei Jugendlichen in Oberschulen mit 4,7 % am
höchsten liegt, gefolgt von Gesamtschulen mit 3,6 % und Gymnasien (1,9
%). An Förderschulen gab kein Jugendlicher bzw. keine Jugendlichen an,
mindestens wöchentlich Cannabis zu konsumieren. Der Unterschied
entsprach einem vernachlässigbaren Effekt unterhalb der Referenzschwelle
für einen kleinen Effekt (Chi-Quadrat-Test: Cramer’s V = 0,08;
95%-KI [0,04; 0,12]).
Im regionalen Vergleich lag der Anteil der mindestens wöchentlich Cannabis konsumierenden Jugendlichen im Berliner Umland bei 2,4 % und im weiteren Metropolenraum bei 3,9 %. In der vorangegangenen Welle 5 der BJS-Studie lag der Anteil mit 4,5 % noch im Berliner Umland höher (Weiterer Metropolenraum: 3,4 %). Der Anteil mindestens wöchentlich Cannabis konsumierender Jugendlicher lag im Süden Brandenburgs bei 5,2 %. Für beide regionale Gliederungen konnte allerdings kein belastbarer Unterschied in der Häufigkeit des wöchentlichen Cannabiskonsums unter den Jugendlichen festgestellt werden (Chi-Quadrat-Test: Berliner Umland und Weiterer Metropolenraum Cramer’s V = 0,04; 95%-KI [0,00; 0,09] ; Brandenburg Süd Cramer’s V = 0,04; 95%-KI [0,00; 0,11]).
1 Für die Kennzahl Täglich werden aufgrund kleiner Fallzahlen keine nach Geschlecht getrennten Werte berichtet.
2 Für die Förderschule werden aufgrund kleiner Fallzahlen keine nach Geschlecht getrennten Werte berichtet.
Abbildung 18: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Konsums von Cannabis nach Schulform und Regionen (BJS6)
Im Zeitverlauf lag der Anteil der Jugendlichen mit lediglich
einmaligen Cannabiskonsum stabil bei circa 10 %. Der Anteil der
mindestens wöchentlich konsumierenden Jugendlichen schwankte in den
vergangenen 20 Jahren zwischen 2,4 % (BJS2) und 4,1 % (BJS4). In der
fünften Welle und somit vor der Teillegalisierung von Cannabis lag der
Anteil der mindestens wöchentlich konsumierenden Jugendlichen bei 3,9 %
und bei der BJS6 bei 3,3 %. Einen täglichen Konsum von Cannabis gaben im
Jahr 2012/2013 nur 0,6 % der Jugendlichen an. Zuletzt lag der Anteil bei
1,3 %. Insgesamt ist der Anteil der Jugendlichen, die im Vergleich zur
vorangegangenen Welle 5 der BJS-Studie nie oder einmal Cannabis
konsumiert haben von 83,8 % auf 85,7 % leicht angestiegen.
Abbildung 19: Häufigkeit des Konsums von Cannabis unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Auch die Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstitutes für Öffentliche
Gesundheit (BIÖG) aus dem Jahr 2025 konnte unter Jugendlichen keinen
Anstieg des Cannabiskonsums im Vergleich zum Vorjahr feststellen [30].
Im Rahmen der Evaluation des KCanG im Jahr 2026 konnte ebenso kein
Anstieg der Konsumprävalenz von Cannabis oder auch des
durchschnittlichen Alters bei Erstkontakt mit Cannabis festgestellt
werden [31]. Weitere
Erkenntnisse zum Einfluss des KCanG auf den Cannabiskonsum unter
Jugendlichen sind abzuwarten.
Die Jugendlichen wurden neben dem Konsum von Tabak, Alkohol und Cannabis auch zu ihrem Konsum von stimmungsbeeinflussenden bzw. ärztlich nicht verordneten Medikamenten befragt. Unter stimmungsbeeinflussenden Medikamenten können beispielsweise stimmungsaufhellende Arzneimittel wie Antidepressiva, die zur Behandlung von depressiven Störungen eingesetzt werden, verstanden werden. Aber auch stimmungsausgleichende Medikamente oder Mittel, deren Nebenwirkung die Beeinflussung der Stimmung sein kann, könnten hier in der Vergangenheit von den Jugendlichen angegeben worden sein. Eine genaue Spezifikation der Medikamente erfolgte zwischen Welle 1 und Welle 5 nicht. Ab der sechsten Welle der BJS wurde die Erhebung zu ärztlich nicht verordneten Medikamenten angepasst und die Einnahme konkreter Substanzgruppen wie Benzodiazepinen, Opioiden oder Medikamenten, die zur Behandlung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) genutzt werden, sowie weiteren Medikamenten erfragt. Diese werden von gesunden Personen unter anderem mit dem Ziel der Verbesserung der Stimmung (“Mood Enhancement”) (z.B. beim Konsum von Antidepressiva) oder auch der Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit (“Neuroenhancement” bzw. Gehirndoping) beispielsweise mittels Ritalin konsumiert. Aufgrund der veränderten Erhebung ist der Vergleich der Daten der BJS1 bis BJS5 zur BJS6 nur eingeschränkt möglich.
Bei der BJS6 gab weniger als ein Prozent der Jugendlichen an, täglich bzw. regelmäßig (mindestens wöchentlich) ärztlich nicht verordnete Medikamente zu konsumieren (vgl. Abbildung 18). Am häufigsten war der unregelmäßige Konsum mit 3,2 %, wobei der Anteil der Jungen mit 3,7 % etwas höher lag als der Anteil der Mädchen mit 2,5 %. Es konnte kein bedeutsamer Effekt zwischen Jungen und Mädchen gefunden werden (Biseriale Rangkorrelation: rrb = -0,01; 95%-KI [-0,04; 0,06]).
1 Aufgrund der kleinen Fallzahlen werden nur die aggregierten Kategorien dargestellt sowie auf eine Abbildung der Kategorie Keine Angabe verzichtet
Abbildung 20: Konsumhäufigkeit von ärztlich nicht verordneten Medikamenten nach Geschlecht (BJS6)
Aufgeschlüsselt nach einzelnen Medikamenten gaben 5,3 % der Jugendlichen an, jemals nicht verordnete Medikation gegen ADHS sowie 5,2 % Opioide wie Codein konsumiert zu haben. Ähnlich häufig waren auch die Angaben zum Konsum von Benzodiazepinen (4,6 %). Deutlich seltener wurde der nicht ärztlich verordnete Konsum anderer Medikamente genannt (2,7 %). Hierunter könnten beispielsweise Antidepressiva fallen. Mit 2,6 % lag der mindestens wöchentliche Konsum von Medikamenten gegen ADHS am höchsten. Für die anderen Medikamente lag der Anteil bei jeweils unter einem Prozent (vgl. Abbildung 21).
Abbildung 21: Häufigkeit des Konsums von Medikamenten unter Jugendlichen (BJS6)
Im Zeitverlauf zeigte sich für stimmungsbeeinflussende
Medikamente bis einschließlich der BJS5 ein leichter Anstieg des
täglichen Konsums von 0,9 % (BJS1) auf 2,5 % (BJS5). Den täglichen
Konsum ärztlich nicht verordneter Medikamente gaben bei der BJS6 0,4 %
der Jugendlichen an. Aufgrund der inhaltlichen Anpassung der Erhebung
stimmungsbeeinflussender Medikamente zu ärztlich nicht verordneten
Medikamenten kann der Vergleich im Trend nur eingeschränkt erfolgen.
Abbildung 22: Häufigkeit des Konsums von stimmungsbeeinflussenden Medikamenten (bis BJS5) bzw. ärztlich nicht verordneten Medikamenten (BJS6) unter Jugendlichen im Zeitverlauf
Weiterhin wurde der Konsum anderer Substanzen wie Ecstasy bzw. MDMA, Lachgas, Amphetamine bis hin zu Ketamin und Neuen Psychoaktive Substanzen, also synthetischen Cannabinoiden, Badesalzen oder Räuchermischungen erfragt. Diese detaillierte Abfrage der verschiedenen Substanzen wurde erstmals mit der BJS6 umgesetzt. Zuvor erfolgte die Abfrage gruppiert für die Konsumhäufigkeit von Ecstasy/Kokain/Heroin/LSD oder andere sowie Amphetamine (Speed, Crystal Meth und andere). Gesundheitliche Risiken des Konsums dieser Substanzen reichen von psychotischen Zuständen bis hin zu Überdosierungen, die das Leben bedrohen können. Weiterhin besteht das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln oder an einer Infektionskrankheit zu erkranken, wenn Drogen beispielsweise mittels gemeinsam genutzter Nadeln injiziert werden [32].
Besonders hervorsticht im Rahmen der BJS6 im Schuljahr 2024/2025, dass 8,6 % der Jugendlichen angaben, bereits mindestens einmal Lachgas konsumiert zu haben. Weitere circa 2 % der Jugendlichen konsumierten mindestens hin und wieder Lachgas (vgl. Abbildung 20). Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) wird im medizinischen Kontext aufgrund seiner angstlösenden und schmerzstillenden Wirkung eingesetzt. Abseits der medizinischen und technischen Verwendung wird Lachgas auch unter Jugendlichen aufgrund seiner euphorisierenden und teils halluzinogenen Wirkung über das Inhalieren konsumiert. Zu den beobachteten Nebeneffekten des Lachgaskonsums zählen Schwindel und Benommenheit, Desorientierung bis hin zu kurzfristigen Beeinträchtigungen des Gedächtnisses und anderer kognitiver Funktionen [33]. Verfügbar ist Lachgas in Sahnekapseln aber auch in größeren Gaskartuschen, die unter anderem über Automaten, Online-Shops oder Kioske vertrieben werden bzw. wurden. Im November 2025 wurde ein Beschluss des Bundestages zum Verbot des Erwerbs und Besitzes von Lachgas für Minderjährige gefasst. Wirksam wurde dies allerdings erst zum 01. April 2026, also nach der Datenerhebung der BJS5, sodass ein Einfluss auf die Daten nicht gegeben ist.
Der mindestens hin und wieder auftretende Konsum weiterer Substanzen lag im Maximum für Amphetamine bei 2 % und für die weiteren Substanzen niedriger (Abbildung 23). Der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig also mindestens wöchentlich weitere Substanzen konsumierte, lag jeweils bei unter einem Prozent. Am häufigsten wurden dabei mit jeweils 0,8 % Kokain und Methamphetamin angegeben. Heroin und Ketamin wurden mit 0,7 % bzw. 0,6 % ebenfalls nur sehr selten konsumiert. Damit fielen die Lebenszeitprävalenzen des Konsums ausgewählter Substanzen im Rahmen der BJS6 niedriger aus als beispielsweise bei der HBSC-Studie 2022 im Land Brandenburg [2].
Abbildung 23: Häufigkeit des Konsums weiterer ausgewählter Substanzen unter Jugendlichen (BJS6)
Um zu verstehen, welche Ursachen der Substanzkonsum von Jugendlichen im Land Brandenburg hat, wurde im Rahmen der BJS6 im Schuljahr 2024/2025 eine Frage zu den Motiven ergänzt. Als Motive konnten unter anderem Entspannung, Stressausgleich oder der Abbau negativer Gefühle genannt werden. Abbildung 21 zeigt die verschiedenen Motive, die seitens der Jugendlichen Mädchen und Jungen für ihren Substanzkonsum angegeben wurden. Sie waren aufgefordert, diese Frage zu beantworten, wenn sie zuvor angegeben hatten, mindestens eine Substanz mindestens hin und wieder zu konsumieren.
Das am häufigsten genannte Konsummotiv war für beide Geschlechter der Konsum im Kontext von Feiern bzw. Partys mit einem Anteil von insgesamt 52,1 % der Jugendlichen. Als zweithäufigstes Motiv wurde Entspannung bzw. Stressausgleich (32,3 %) genannt, gefolgt von konsumierenden Freunden mit 26,2 %. Die Reduktion negativer Gefühle wurde von 23,4 % der Jugendlichen genannt – hier ist allerdings der große Unterschied zwischen Jungen und Mädchen auffallend. Während dieses Motiv von 16,7 % der Jungen angegeben wurde, lag der Anteil bei Mädchen mit 29,5 % fast doppelt so hoch. Seltener genannte Motive waren die Appetitminderung bzw. die Gewichtsreduktion (6,4 %) oder die Reduktion der Nebenwirkung anderer Substanzen (1,3 %).
Weiterhin zeigen sich ebenso Unterschiede in den angegebenen Konsummotiven nach Schulform. Während das Motiv Feiern bzw. Party von Jugendlichen an Gymnasien (62,8 %) besonders häufig genannt wurde, lagen die Werte bei Jugendlichen an Gesamtschulen (50,7 %) und Oberschulen (44,5 %) etwas niedriger. Das Motiv Entspannen und Stressausgleich wurde hingegen von Jugendlichen an Oberschulen mit 36,7 % am häufigsten genannt, gefolgt von Jugendlichen an Gesamtschulen (33 %) und Gymnasien (28,9 %) – jeweils mit einem Abstand von rund 4 Prozentpunkten (Vgl. Abbildung 24). Weniger große Unterschiede zeigten sich in Bezug auf das Motiv der Reduktion negativer Gefühle. Dieses gaben 25,1 % der Jugendlichen an Oberschulen und 22,9 % der Jugendlichen an Gymnasien sowie 21,8 % der Jugendlichen an Gesamtschulen an (Abbildung 21).
Da die Motive global - also nicht spezifisch für die einzelnen
konsumierten Substanzen - erfasst wurden, kann im Weiteren nur
aufgezeigt werden, welche Motive durch Jugendliche mit bestimmten
Konsummustern häufiger genannt werden. Hierfür wurden die Jugendlichen,
die mindestens eine Substanz hin und wieder konsumierten in zwei Gruppen
eingeteilt. In der ersten Gruppe befinden sich diejenigen, die einen
Konsum konventioneller Substanzen wie Tabak, E-Zigaretten, Alkohol oder
Tabak in Form von Tabakerhitzern bzw. Shishas aufweisen. In der zweiten
Gruppe befinden sich die Jugendlichen, die zusätzlich zu diesem Konsum
konventioneller Substanzen auch weitere Substanzen wie Cannabis, MDMA,
Lachgas bis hin zu Kokain oder Heroin konsumierten. Aufgrund der kleinen
Gruppenbesetzung werden Jugendliche, die nur weitere Substanzen
konsumierten, nicht separat betrachtet.
Während das Motiv des Konsums im Kontext von Feiern bzw. Partys bei Jugendlichen mit beiden ausgewiesenen Konsummustern mit einem Anteil von jeweils über 50 % weit vorn lag, zeigten sich für die anderen Motive deutlich häufigere Nennungen in der Gruppe der Jugendlichen mit kombiniertem Substanzkonsum. So gaben 57,1 % der Jugendlichen mit kombiniertem Konsum an, dass sie zum Zweck des Entspannens und Stressausgleiches konsumierten. Unter den Jugendlichen, die ausschließlich konventionelle Substanzen konsumierten waren dies nur 24,8 % (Differenz von 32,3 Prozentpunkten). Ein ähnlich hoher Unterschied war ebenso beim Motiv der Reduktion negativer Gefühle zu beobachten (vgl. Abbildung 25). Die Personen der Gruppe der Jugendlichen mit kombiniertem Konsum konventioneller und weiterer Substanzen gaben also deutlich mehr und vielfältigere Konsummotive an.
Abbildung 25: Konsummotive nach Konsumtyp unter mindestens hin und wieder konsumierenden Jugendlichen (BJS6)
Ebenfalls in der sechsten Welle der BJS-Studie erstmals erhoben wurden die Zugangswege der Jugendlichen zu den konsumierten Substanzen. In der Gesamtschau mit den Motiven für den Substanzkonsum tragen diese Angaben dazu bei, die Entstehung des Substanzkonsums in dieser Altersgruppe zu verstehen. Jugendliche, die im Zuge der Befragung angaben, dass sie mindestens eine Substanz mindestens einmal konsumiert hatten, wurden dazu befragt, woher sie die konsumierten Substanzen haben bzw. hatten. Mit 62,9 % gaben die Jugendlichen am häufigsten an, dass sie die konsumierten Substanzen im privaten Kontext von Freunden oder Bekannten erhalten hatten. Dabei lag der Anteil bei Mädchen mit 66,6 % höher als der Anteil der Jungen (59,2 %). Mit 26,5 % war der Zugang im Kontext von Partys bzw. Veranstaltungen der zweithäufigste genannte Zugangsweg (Mädchen: 30,4 %; Jungen: 22,6 %). Seltener wurde mit 7,4 % der Erwerb über den Straßenhandel oder über Social Media bzw. Messenger Dienste (1,6 %) genannt (Abbildung 26). Aber auch andere Zugangswege wie der Einzelhandel oder die Eltern wurden genannt u. a. von Jugendlichen, die angaben, bisher nur Alkohol konsumiert zu haben.
Auch nach Schulform waren Unterschiede in den Zugangswegen zu konsumierten Substanzen zu beobachten. Jugendliche an Gymnasien erhielten die Substanzen mit 68,3 % häufiger im privaten Kontext von Freunden und Bekannten als Jugendliche an Oberschulen (60,7 %) oder Gesamtschulen (55,7 %). Ebenso erhielten Jugendliche an Gymnasien die Substanzen mit 34,2 % häufiger im Kontext von Partys und Veranstaltungen als Jugendliche an Gesamtschulen (26,4 %) und Oberschulen (20 %). Den Zugang zu konsumierten Substanzen über den Straßenhandel gaben jeweils 7,5 % der Jugendlichen an Oberschulen und Gymnasien sowie 7,4 % der Jugendlichen an Gesamtschulen an.
Abbildung 26: Zugangswege zu den konsumierten Substanzen unter Jugendlichen gruppiert nach Geschlecht und Schulform (BJS6)
Analog zur Auswertung der Motive für den Substanzkonsum wurden auch die
Zugangswege nach den beiden zuvor definierten Gruppen der Konsummuster
differenziert. Betrachtet wurde dies erneut für die Jugendlichen, die
mindestens eine Substanz mindestens hin und wieder konsumiert
hatten.
In beiden Gruppen wurde am häufigsten seitens der Jugendlichen angegeben, dass sie Substanzen von Freunden oder Bekannten erhalten hatten. Auf vergleichbarem Niveau mit 34,2 % bzw. 28,9 % lag der Zugang im Kontext von Partys oder Veranstaltungen. Die weiteren Zugangswege wie der Straßenhandel (27,1 %) oder auch der Bezug über das Internet bzw. Social Media oder Messenger Dienste wurde in der Gruppe der mit breiterem Konsummuster mit jeweils 5,9 % deutlich häufiger genannt als in der Gruppe mit konventionellem Substanzkonsum (Abbildung 27).
Abbildung 27: Motive für den Substanzkonsum unter Jugendlichen gruppiert Geschlecht (BJS6)
Es wird angenommen, dass die ersten Kontakte mit konventionellen
Substanzen häufig im Kontext der Familie (Alkohol) oder über die
Peergroup (Tabak) stattfindet [34]. Die Zugangswege zu weiteren
Substanzen wie beispielsweise MDMA bzw. Ecstasy, Kokain oder anderen
Substanzen lassen sich deutschlandweit nicht direkt beschreiben. Die
meisten Studien im Jugendalter nehmen eher den Umfang des Konsums in den
Blick. Erwachsene gaben im Rahmen der Europäische Online Drogenstudie
an, dass sie Substanzen wie Amphetamine, MDMA bzw. Ecstasy und Kokain
vorrangig über Dealer beziehen [35].
Neben der Häufigkeit des Konsums von verschiedenen Substanzen, den Motiven und Zugangswegen zu selbigen wird bei den Jugendlichen seit Beginn der BJS-Studie auch erfragt, ob bei ihnen ein Wunsch zur Reduktion dieses Konsums besteht.
Nachfolgend werden die Anteile der Jugendlichen, die keinen bzw. einen geringen, einen mittelstarken oder einen großen bis sehr großen Wunsch zur Reduktion des Substanzkonsums aufweisen, abgebildet. Betrachtet werden diese Anteile innerhalb der Gruppe von Jugendlichen, welche die Substanzen Alkohol, Tabak, E-Zigaretten bzw. Cannabis mindestens einmal pro Woche konsumieren. Auf eine Darstellung der weiteren Substanzen wird aufgrund der geringen Konsumhäufigkeiten verzichtet.
Tabak
Im Schuljahr 2024/2025 (BJS6) gaben 15,7 % der mindestens wöchentlich Tabak konsumierenden Jugendlichen an, dass sie einen großen bis sehr großen Wunsch verspürten, die Häufigkeit des Rauchens zu reduzieren oder dieses ganz aufzugeben. Mehr als die Hälfte (54,3 %) verspürten keinen oder nur einen sehr geringen und knapp ein Vierteil (24,8 %) einen mittleren Wunsch zur Konsumreduktion. Die beobachteten Werte zwischen Jungen und Mädchen unterschieden sich dabei nur geringfügig (siehe Abbildung 28). Auffallend ist im Trend, dass sich der Anteil der mindestens wöchentlich rauchenden Jugendlichen, die keinen oder nur einen geringen Wunsch zur Konsumreduktion verspürten, vergrößerte. Bei der BJS1 gaben noch 35,6 % an, diesen Wunsch nicht zu verspüren.
Abbildung 28: Anteile der Jugendlichen mit keinem, mittlerem oder großen Wunsch zur Konsumreduktion, sofern sie mindestens einmal wöchentlich Tabak konsumierten im Zeitverlauf
E-Zigaretten/E-Shisha/Vaporizer
Von den Jugendlichen, die angaben, dass sie mindestens wöchentlich E-Zigaretten bzw. vergleichbare Produkte konsumierten, gaben 21,1 % an, einen großen bzw. sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion zu verspüren. Ähnlich beim Tabakkonsum gab knapp die Hälfte an, diesen nicht oder nur gering zu verspüren (52,7 %) und 21,2 % gaben eine mittlere Ausprägung an. Der Anteil der Jungen mit einem großen bzw. sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion betrug dabei 25,2 % und lag damit 7,3 Prozentpunkte höher als der unter den mindestens wöchentlich konsumierenden Mädchen (17,9 %). Im Vergleich zur vorherigen Welle 5 der BJS-Studie hat sich der Anteil der Jugendlichen mit einem großen bzw. sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion bzw. -aufgabe mehr als vervierfacht (BJS5: 4,9 %).
Abbildung 29: Anteile der Jugendlichen mit keinem, mittlerem oder großen Wunsch zur Konsumreduktion, sofern sie mindestens einmal wöchentlich E-Zigaretten/E-Shihas/Vaporizer konsumierten im Zeitverlauf
Alkohol
Innerhalb der Gruppe der mindestens wöchentlich Alkohol konsumierenden Jugendlichen gaben nur insgesamt 5,4 % an, dass sie einen großen bzw. sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion bzw. -aufgabe verspürten. Mehr als Dreiviertel der Jugendlichen zeigten keinen oder nur einen geringen Wunsch zur Konsumreduktion (78 %) und 10,5 % einen mittelstarken Wunsch. Der Anteil der Mädchen mit einem großen und ebenso mittleren Wunsch fiel hierbei jeweils mindestens doppelt so hoch aus im Vergleich zu dem der Jungen (siehe Abbildung 30). Im Vergleich zur ersten Welle im Schuljahr 2004/2005 sind nur geringe Veränderungen festzustellen. Der Anteil derer ohne bzw. mit geringem Wunsch zur Konsumreduktion lag bei der ersten Erhebungswelle bei 79,5 %. Allerdings lag der Anteil derer mit mittlerem Wunsch mit 15,4 % etwas höher als innerhalb der letzten Befragungswelle und der Anteil derer mit großem bzw. sehr großem Wunsch mit 3,6 % etwas niedriger.
Abbildung 30: Anteile der Jugendlichen mit keinem, mittlerem oder großen Wunsch zur Konsumreduktion, sofern sie mindestens einmal wöchentlich Alkohol konsumierten im Zeitverlauf
Cannabis
Auch in Bezug auf den wöchentlichen Cannabiskonsum wurde der Wunsch zur Reduktion bzw. Aufgabe des Konsums betrachtet. Aufgrund der geringeren Verbreitung des Cannabiskonsums unter den Jugendlichen im Vergleich zu den zuvor betrachteten Substanzen, wird keine Differenzierung nach dem Geschlecht vorgenommen. Im Rahmen der BJS6 gaben 31,7 % der mindestens wöchentlich konsumierenden Jugendlichen einen großen bis sehr großen, 10,9 % einen mittleren und 46,3 % einen geringen bzw. nicht vorhandenen Wunsch zur Konsumreduktion an. Im Vergleich zu den vorherigen Erhebungswellen stellt dies einen deutlichen Anstieg des Anteils der Jugendlichen mit einem großen bzw. sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion dar. In den vorherigen Wellen lagen die Anteile der Jugendlichen mit einem großen bis sehr großen Wunsch zur Konsumreduktion zwischen 8,7 % (BJS4) und 15,1 % (BJS3). Diese jeweiligen Anteile zeigt die Abbildung 31.
Als mögliche Ursachen für die gestiegenen Anteile der Jugendlichen mit
einem Wunsch zur Konsumreduktion bzw. Aufgabe des Konsums von
E-Zigaretten (inkl. E-Shishas und Vaporizern) sowie von Cannabis könnten
die zuletzt intensiv geführten Debatten zu den gesundheitlichen Risiken
des Cannabiskonsums im Zuge der Einführung des KCanG und ein ggf. ebenso
gestiegenes Problembewusstsein bezüglich der Risiken des Konsums von
E-Zigaretten durch vermehrte Aufklärung vermutet werden. So konnte
bundesweit im Rahmen des zweiten Zwischenberichtes zur Evaluation des
Konsumcannabisgesetztes (EKOCAN) ein Anstieg der Risikowahrnehmung
bezüglich Cannabis unter Jugendlichen zwischen 2019 und 2025 aufgezeigt
werden [31].
Neben dem Substanzkonsum werden die Jugendlichen seit Beginn der Befragung im Schuljahr 2004/2005 (BJS1) auch dazu befragt, an wen sie sich wenden würden, wenn sie einmal Probleme mit Rauschmitteln wie Alkohol, Tabak oder anderen Substanzen entwickeln sollten. Diese Informationen können in die Ausgestaltung von zielgerichteten suchtpräventiven Maßnahmen einfließen und Ansatzpunkte für die Suchthilfe bieten.
Insgesamt am häufigsten genannt wurde durch die Jugendlichen der engste Freund bzw. die engste Freundin mit 61,3 %. Danach folgten Personen aus dem nahen Umfeld wie Eltern oder auch Großeltern (45,6 %), der feste Freund bzw. die feste Freundin (im Sinne einer Partnerschaft) mit 26,2 % sowie Geschwister (19,7 %). Nachfolgend gaben dann 16,4 % der Jugendlichen an, sie würden das Internet nutzen, um ihren Problemen zu begegnen. Mit 13,1 % der Jugendlichen folgen Ärztinnen und Ärzte, Beratungsstellen (8,2 %) und Schulsozialarbeitende (5,9 %) als Vertreterinnen und Vertreter aus professionellen Hilfebereichen. Weniger als fünf Prozent gaben jeweils an, dass sie sich an Lehrerinnen oder Lehrer (3 %), Jugendleiter/-innen, Gruppenleiter/-innen, Trainer/-innen (1,9 %) oder sonstige (1,7 %) wenden würden. Allerdings ist auch festzustellen, dass jeder zehnte der Teilnehmenden angab, nicht zu wissen, wohin er oder sie sich in einer solchen Situation wenden würde.
Abbildung 32: Personen bzw. Anlaufstellen, an die sich Jugendliche wenden würden, wenn sie Probleme mit Rauschmitteln wie Alkohol, Tabak oder anderen Substanzen hätten nach Geschlecht (BJS6)
Im Vergleich zur BJS5 (Schuljahr 2020/2021) war über alle abgefragten
Hilfen ein Rückgang des Anteils der Jugendlichen zu beobachten, die die
abgefragten Instanzen als Anlaufstellen bei potenziellen Problemen mit
Rauschmitteln angaben. Besonders deutlich wurde dies im persönlichen
Umfeld (engster Freund/engste Freundin 69,1 % auf 61,3 %,
Partnerin/Partner von 37,5 % auf 26,2 % und Eltern oder Großeltern von
53,3 % auf 45,6 %). Aber auch die Anteile derer, die Ärztinnen und Ärzte
(19,3 % auf 13,1 %) oder Beratungsstellen (12 % auf 8,2 %) als
wahrgenommene Hilfen angaben, verringerten sich. Gegenläufig entwickelte
sich hingegen der Anteil der Jugendlichen, die nicht wussten, an wen sie
sich wenden könnten von 8,6 % auf 10,4 %. Dies deutet darauf hin, dass
die wahrgenommene Verfügbarkeit oder Bekanntheit von Hilfsangeboten bei
der BJS6 geringer ausgeprägt war als noch vier Jahre zuvor.
Glücksspiel liegt dann vor, „wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt“ [36]. Dies umfasst Glückspiel an Geldspielautomaten, aber auch Online-Angebote wie virtuelle Automaten oder Online-Casinospiele. Die Teilnahme von Minderjährigen an öffentlichen Glücksspielen ist vor dem Hintergrund des Jugendschutzes nicht zulässig. Die Glücksspielsucht, auch pathologisches Spielen genannt, kann mit negativen Folgen wie Schulden, dem Verlust sozialer Kontakte sowie ausgeprägten psychischen Problemen einhergehen [37]. Aufgrund von variablen Entwicklungsverläufen im Jugendalter, sollte in dieser Altersgruppe eher von ”glücksspielbezogenen Problemen” gesprochen werden, um eine vorschnelle Pathologisierung zu vermeiden [38]. Als besonders attraktiv gelten für Jugendliche Spiele, die leicht verfügbar sind (z.B. über das Smartphone), deren Geldeinsatz gering ausfällt und die in der Peergroup beliebt sind [38].
Im Rahmen der BJS-Studie wird das Spielen an Glücksspielautomaten, also an Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit, bereits seit der Welle 2 (Schuljahr 2008/2009) und das Glücksspiel im Internet seit der vierten Welle (Schuljahr 2016/2017) erhoben. Ergänzt wurde im Rahmen der BJS6 noch eine Frage zum Spielen von Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten wie Lootboxen.
In der BJS6 berichteten insgesamt 1,6 % der Jugendlichen von täglichem Glücksspiel an Automaten. Der Anteil unter Jungen lag bei 2,7 %. Mindestens wöchentliches Spielen an Automaten gaben zusätzlich 0,7 % der Jugendlichen an. Am weitesten verbreitet war unter Jugendlichen das unregelmäßige Automatenspiel mit 6,4 % - der Anteil der Jungen lag dreimal so hoch wie der Anteil der Mädchen (Jungen: 9,5 %; Mädchen: 3,3 %). Es besteht ein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen bei der Häufigkeit des Glücksspiels an Automaten, allerdings mit kleiner Effektstärke (Biseriale Rangkorrelation: (rrb) = 0,11; 95%-KI [0,07; 0,15]).
Abbildung 33: Verteilung der Häufigkeit des Glückspiels an Automaten nach Geschlecht (BJS6)
Im Vergleich der Schulformen spielten 10,7 % der Schülerinnen
und Schüler an Oberschulen und 10,2 % der Schülerinnen und Schüler an
Förderschulen mindestens hin und wieder an Automaten. Die Anteile an
Gymnasien und Gesamtschulen lagen mit 7,8 % und 6,5 % etwas niedriger.
Die regionale Betrachtung zeigt, dass die Anteile der
mindestens hin und wieder am Automaten spielenden Jugendlichen im
Berliner Umland, weiteren Metropolenraum und in Brandenburg Süd auf
einem ähnlichen Niveau zwischen 8 % und 10 % lagen (vgl. Abbildung 34).
Weder die Differenzierung nach Schulform noch nach Region zeigten
belastbare Effekte auf die Häufigkeit des Glücksspiels an Automaten.
Abbildung 34: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Glücksspiels an Automaten nach Schulform und Regionen (BJS6)
Bezüglich des Glücksspiels im Internet gaben 2,9 % der Jugendlichen der BJS6 an, täglich Spiele wie Poker oder Roulette zu spielen oder auch Sportwetten im Internet abzuschließen. Es ist zu beobachten, dass mit 5 % vorrangig Jungen tägliches Glücksspiel im Internet angaben (Mädchen: 0,3 %). Mindestens hin und wieder spielten rund 13 % der Jugendlichen – der Anteil der Jungen lag mit 20,4 % viermal so hoch wie der der Mädchen (5,6 %). Es zeigte sich ein belastbarer Unterschied dieser Häufigkeit zwischen Jungen und Mädchen mit einem kleinen bis mittleren Effekt (Biseriale Rangkorreltation: (rrb) = -0,22; 95%-KI [-0,26; -0,16]).
Abbildung 35: Verteilung der Häufigkeit des Glückspiels im Internet nach Geschlecht (BJS6)
Bezüglich des Glücksspiels im Internet nach Schulform zeigte
sich mit 15,4 % der höchste Anteil mindestens hin und wieder spielender
Jugendlicher an Oberschulen. Auffallend ist, dass im Vergleich zum
Spielen an Automaten die Differenzen zwischen den verschiedenen
Schulformen niedriger ausfiel. So lag der Anteil jeweils bei über 10 %
(vgl. Abbildung. 36). Regional betrachtet war zwischen dem Berliner
Umland mit 14,5 % und dem Weiteren Metropolenraum mit 12,5 % eine
Differenz von 2 Prozentpunkten zu verzeichnen. In Brandenburg Süd lag
der Anteil mit 8,6 % noch einmal niedriger. Lediglich für Brandenburg
Süd und den Rest Brandenburgs zeigte sich ein Unterschied, der
allerdings unter der Referenzschwelle für einen kleinen Effekt liegt
(Chi-Quadrat-Test: Cramer’s V = 0,05; 95%-KI [0,01; 0,09]).
Somit ist nicht von einer inhaltlichen Relevanz des Effektes
auszugehen.
Abbildung 36: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Glücksspiels im Internet nach Schulform und Regionen (BJS6)
Im Weiteren soll betrachtet werden, welche Überschneidungen zwischen dem Glücksspiel am Automaten und dem Glücksspiel im Internet bestehen. Hierfür werden die Anteile der im Internet spielenden Jugendlichen an den an Automaten spielenden Jugendlichen sowie umgekehrt berichtet. Als Schwelle wird hierbei das Spielen mehrmals pro Monat angelegt [39].
Abbildung 37 zeigt die unterschiedlichen sich überschneidenden Gruppen beim Glücksspiel am Automaten sowie im Internet. Während bei Jugendlichen, die regelmäßig mindestens einmal im Monat am Automaten spielten, 61,3 % % auch regelmäßig Glücksspiele im Internet spielten, waren es unter den Jugendlichen mit regelmäßigem Glücksspiel im Internet nur knapp halb so viele Jugendliche, die ebenso regelmäßig an Automaten spielten (34,4 %). Die am Automaten spielenden Jugendlichen zeigten also häufiger multiples Glücksspielverhalten, während viele der Online-Spielenden nur online spielten. Unter den Jugendlichen, die nicht regelmäßig am Automaten spielten, lag der Anteil der regelmäßig im Internet spielenden Jugendlichen lediglich bei 3,8 %. Ebenso lag der Anteil der regelmäßig am Automaten spielenden Jugendlichen unter denen, die nicht regelmäßig im Internet spielten, bei nur 1,3 %.
Abbildung 37: Bedingte Anteile von Automaten- und Internetglücksspiel unter Jugendlichen mit bzw. ohne regelmäßiges Glücksspiel (BJS6)
Abbildung 37: Bedingte Anteile von Automaten- und
Internetglücksspiel unter Jugendlichen mit bzw. ohne regelmäßiges
Glücksspiel (BJS6)
Erstmalig wurde im Rahmen der BJS6 das Spielen von Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten wie Lootboxen erhoben. Diese zählen zu den Strategien der Monetarisierung in Online-Games. Zu Online-Games zählen Browsergames, Mobile Games z.B. für Smartphones, aber auch Mehrspieler-Spiele. Unter Lootboxen versteht man in diesem Zusammenhang virtuelle Schatz- bzw. Beutekisten, die einerseits erspielt, andererseits aber auch mittels Geldeinsatz erworben werden können und deren Inhalt zufällig bestimmt wird. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit des Gewinns weisen sie aus spielmechanischer Sicht Ähnlichkeiten zu herkömmlichem Glücksspiel auf. Da zuvor meist ein Umsatz des echten Geldes in virtuelle Spielwährung erfolgt, besteht die Gefahr, den Überblick über den tatsächlichen finanziellen Einsatz zu verlieren. Erste Studien legen Zusammenhänge zwischen Lootboxen und Problemen mit Glücksspiel nahe [40]. In Deutschland fallen diese Mechanismen derzeit allerdings nicht unter die Definition von Glücksspiel des Glücksspielstaatsvertrags [41].
Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten hatten bei der BJS6 insgesamt 5,9 % der Jugendlichen mindestens wöchentlich gespielt. Jungen zeigten dieses Verhalten deutlich häufiger als gleichaltrige Mädchen. Rund jeder zehnte Junge berichtete vom mindestens wöchentlichen Spiel solcher Online-Spiele (10,3 %). Bei den Mädchen spielte dieses Phänomen mit 0,6 % nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt hatten 21,6 % der Jugendlichen mindestens einmal Online-Games mit glücksspielähnlichen Spielmechanismen gespielt. Dieser Unterschied zwischen Jungen und Mädchen zeigte sich belastbar mit einer kleinen bis mittleren Effektstärke (Biseriale Rangkorrelation: (rrb) = 0,28; 95%-KI [0,24; 0,32]).
Abbildung 38: Verteilung der Häufigkeit des Spielens von Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten nach Geschlecht (BJS6)
Betrachtet man das mindestens wöchentliche Spielen nach
Schulform, war dieses mit 6,8 % am häufigsten unter
Schülerinnen und Schülern an Gesamtschulen zu finden (Oberschule: 5,7 %;
Gymnasien: 5,7 % und Förderschulen: 3,4 %). Am häufigsten mindestens hin
und wieder spielten hingegen Schülerinnen und Schüler an Gymnasien (18,3
%) und an Förderschulen (17 %) Online-Games mit glückspielähnlichen
Inhalten. Bei Schülerinnen und Schülern an Oberschulen (15 %) und
Gesamtschulen (13,2 %) war das Phänomen etwas weniger häufig. Die
Prävalenz unterschied sich regional betrachtet kaum (Berliner
Umland: 16,3 %; Weiterer Metropolenraum: 15,9 %; Brandenburg Süd: 16,9
%) (Abbildung 39). Weder für die Schulformen noch für die regionalen
Gliederungseinheiten konnten Unterschiede und belastbare Effekte für das
hin und wieder auftretende Spielen von Online-Games festgestellt
werden.
Abbildung 39: Häufigkeiten verschiedener Ausprägungen des Spielens von Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten nach Schulform und Regionen (BJS6)
Eine bundesweit vergleichbare Erhebung zur Verbreitung des Spielens von
Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten ist nicht bekannt.
Aufgrund der weiten Verbreitung digitaler Spiele ist anzunehmen, dass
eine große Zahl an Jugendlichen potenziell mit solchen Inhalten
konfrontiert ist (Vergleich Kapitel 4 zum Medienkonsum). Auch der Anteil
an Online-Games mit glücksspielähnlichen Inhalten wie Lootboxen
insgesamt ist allerdings nicht bekannt. Als Unterkategorie von
In-App-Käufen werden Lootboxen aufgrund ihres glücksspielähnlichen
Charakters und potenzieller psychischer und finanzieller Folgen
diskutiert [42].
Im Zeitverlauf war zunächst ein Rückgang des Anteils mindestens hin und wieder am Automaten spielender Jugendlicher von 5 % bei der BJS1 im Schuljahr 2004/2005 auf 1,8 % bei der BJS5 im Schuljahr 2020/2021 zu beobachten. Allerdings wurde in den vergangenen 4 Jahren ein deutlicher Anstieg auf 8,7 % bei der BJS6 im Schuljahr 2024/2025 verzeichnet. Ebenso stieg der Anteil der mindestens hin und wieder im Internet spielender Jugendlicher von 4,9 % bei der BJS5 auf 13,5 % bei der BJS6 (Abbildung 40).
Abbildung 40: Häufigkeit des Glücksspiels unter Jugendlichen der BJS-Studie im Zeitverlauf
Der Rückgang des Spielens am Automaten besonders auch im Schuljahr
2020/2021 lässt sich möglicherweise auf die Schließung physischer
Spielstätten während der Lockdowns während der Corona-Pandemie
zurückführen. Eine besondere Rolle bezüglich des Spielverhaltens von
Jugendlichen scheint Glücksspielwerbung zu spielen, die beispielsweise
durch Prominente und Influencer auf Video-, Streaming- bzw. Social Media
Plattformen verbreitet wird. Im Rahmen einer britischen Studie
berichteten 90 % der Jugendlichen zwischen 11 und 17 Jahren, dass sie
online bereits mit Glücksspiel-Inhalten konfrontiert waren. 3 von 4
Jugendlichen berichteten dabei, dass diese Werbung Spaß am Glücksspiel
vermittelt und dieses harmlos erscheinen lässt [43].
Die Nutzungsmöglichkeiten analoger und digitaler Medien sind vielfältig. Neben analogen Medien wie Büchern existiert eine Vielzahl an digitalen Medien, die im Jugendalter weit verbreitet sind. Sie reichen vom Gaming zur Freizeitgestaltung bis hin zum Austausch mit Gleichaltrigen (Peers) über soziale Netzwerke oder zur Kommunikation im schulischen Kontext [2,44]. Im Rahmen der BJS-Studie wird lediglich die Dauer der täglichen Nutzung verschiedener Medien wie Bücher oder Filme, die beispielsweise über Streamingdienste bezogen werden können oder auch das Spielen auf dem Smartphone, dem PC oder der Konsole erfragt. In der BJS6 wurde zusätzlich das Hören von Podcasts und Hörbüchern, die Social Media-Nutzung, die Internetznutzung für die Schule (z.B. für Hausaufgaben oder im Kontext von Homeschooling) sowie die tägliche Dauer des Konsums pornographischer Inhalte erfragt. Phänomene wie der problematische Konsum sozialer Medien, der sich negativ auf das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit auswirken kann, lassen sich auf Basis der erhobenen Daten nicht abbilden.
Die Empfehlungen des Bundesinstitutes für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) für die Nutzungsdauer von digitalen Medien liegen bei Jugendlichen zwischen 12 bis unter 16 Jahren bei maximal 1 bis 2 Stunden pro Tag und für Jugendliche ab 16 Jahren bei etwa 2 Stunden pro Tag. Zu den Medien, die in diese Nutzungsdauer einfließen, zählen das Fernsehen, DVD/Blu-ray oder Streamingdienste, Zeiten am Computer sowie an Spielekonsolen und Smartphones und Tablets. Nicht einberechnet wird die Zeit der Mediennutzung für die Schule [45]. Da die tägliche Mediennutzungsdauer in der BJS-Studie nur in Kategorien und nicht als metrische Angabe erhoben wurde, kann keine Gesamtdauer der Nutzung digitaler Medien bestimmt werden. Vor diesem Hintergrund werden die Anteile der Jugendlichen mit einer Mediennutzung von mehr als zwei Stunden täglich pro Medium betrachtet. Abbildung 36 zeigt die Verteilung der Dauer der täglichen Mediennutzung nach den erhobenen Medien nach Geschlecht der BJS6.
Insgesamt lagen jeweils etwa ein Drittel der Jugendlichen in Bezug auf das Schauen von Filmen oder Serien sowie das Spielen auf Smartphones oder Konsolen bei einer täglichen Nutzungsdauer von mehr als zwei Stunden (34,4 % bzw. 34,8 %). Bezüglich der Dauer der Social Media Nutzung traf dies sogar auf die Hälfte der befragten Jugendlichen zu (50,3 %). Deutlich weniger häufig war eine Nutzungsdauer von über zwei Stunden bei der Internetznutzung für die Schule (10,1 %), bei Büchern oder E-Readern (7,3 %) und Hörbüchern bzw. Podcasts (6,5 %). Pornographische Inhalte wurden täglich mit 39,2 % überwiegend von Jungen konsumiert (Mädchen: 7,2 %). Insgesamt konsumierten 23,6 % der befragten Jugendlichen täglich pornografische Inhalte.
Abbildung 41: Häufigkeiten der Dauer des täglichen Medienkonsums unter Jugendlichen nach Medium (BJS6)
Weiterhin werden in Abbildung 41 Unterschiede zwischen Mädchen und
Jungen in Bezug auf die Dauer des Konsums verschiedener Medien deutlich.
Während Jungen längere tägliche Spielzeiten auf Smartphones, PC oder
Konsole aufweisen, überwiegen die Anteile der Mädchen besonders bei der
Nutzung von Social Media von mehr als zwei Stunden am Tag. Ebenso war
auch das Lesen von Büchern bei Mädchen häufiger vertreten als bei
Jungen.
Für alle Medien bis auf das Fernsehen konnten Unterschiede in den täglichen Nutzungsdauern zwischen Jungen und Mädchen mit teils kleinen bis mittleren Effekten festgestellt werden. Für die Social Media Nutzung ((rrb) = -0,21; 95%-KI [-0,27; -0,16], kleiner Effekt), die Internetznutzung für schulische Belange ((rrb) = -0,18; 95%-KI [-0,23; -0,12], kleiner Effekt) sowie die Nutzung von Büchern ((rrb) = -0,28; 95%-KI [-0,33; -0,24], kleiner bis mittlerer Effekt) und Hörbüchern ((rrb) = -0,2; 95%-KI [-0,25; -0,15], kleiner Effekt) war eine höhere tägliche Nutzungsdauer unter Mädchen im Vergleich zu Jungen zu verzeichen. Bei Spielen auf Computer, Konsolen oder dem Smartphone ((rrb) = 0,42; 95%-KI [0,36; 0,47]) sowie der täglichen Dauer des Konsums pornographischer Inhalte ((rrb) = 0,38; 95%-KI [0,34; 0,42]) zeigte sich jeweils ein mittlerer Effekt mit einer höheren Nutzungsdauer unter Jungen. Die biseriale Rangkorrelationen zeigten beim Fernsehen ((rrb) = -0,06; 95%-KI [-0,12; -0,01] eine Effektstärke unterhalb der Referenzschwelle für einen kleinen Effekt.
Auch der Medienkonsum wird im Folgenden nach Schulform betrachtet. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die täglich mehr als zwei Stunden Filme schauen, war an Oberschulen mit 42,5 % am höchsten und an Gymnasien mit 28,5 % am niedrigsten. Ähnlich häufig war das tägliche Spielen von mehr als zwei Stunden an Oberschulen (42,8 %) und Förderschulen (43,7 %). Am seltensten gaben Jugendliche an Gesamtschulen an, dass sie täglich mehr als zwei Stunden auf Smartphones oder Konsolen spielten (27,7 %). Die tägliche Social Media Nutzung von mehr als zwei Stunden war an allen Schulformen weit verbreitet. Am niedrigsten lag der Anteil mit 43,5 % an Gymnasien, gefolgt von Förderschulen (47,1 %), Gesamtschulen (51,3 %) und Oberschulen (57,4 %). Deutlich geringer fielen die Unterschiede in Bezug auf das Lesen von Büchern nach Schulform aus (vgl. Abbildung 42).
Die Chi-Quadrat-Tests zeigten Unterschiede nach Schulform in der täglichen Nutzungsdauer von mehr als zwei Stunden für das Fernsehen/Streamen (Cramer’s V = 0,14; 95%-KI [0,08; 0,18], kleiner Effekt), das Spielen von Computer- oder Konsolenspielen (Cramer’s V = 0,14; 95%-KI [0,08; 0,19], kleiner Effekt) und die und Internetznutzung (Cramer’s V = 0,12; 95%-KI [0,07; 0,17], kleiner Effekt) sowie den Konsum pornographischer Inhalte (Cramer’s V = 0,11; 95%-KI [0,05; 0,14], kleiner Effekt) mit jeweils sehr kleinen bis kleinen Effekten. Eine Effektstärke unterhalb der Referenz für einen kleinen Effekt war für die Social Media Nutzung zu beobachten (Cramer’s V = 0,05; 95%-KI [0,01; 0,09]. Somit ist hier nicht von einer inhaltlichen Relevanz auszugehen. Keine belastbaren Effekte der Schulform wurden für die Nutzungsdauer von Büchern und Hörbüchern festgestellt.
Auch im regionalen Vergleich waren Unterschiede bezüglich der täglichen Dauer der Mediennutzung zu beobachten. Während im Berliner Umland 30,6 % der Jugendlichen mehr als zwei Stunden Filme bzw. Serien schauten, waren es im Weiteren Metropolenraum 37,3 %. Im Süden Brandenburgs lag der Anteil bei 33,8 %. Beim Spielen im Internet lag die Differenz sogar bei 12 Prozentpunkten (Berliner Umland: 28 %; Weiterer Metropolenraum: 40 %). Hoch fiel mit 37,4 % auch der Anteil mit einer täglichen Spieldauer im Internet von mehr als zwei Stunden im Süden Brandenburgs aus. Ein Unterschied von rund 10 Prozentpunkten zeigte sich auch beim Anteil der Social Media Nutzung (Berliner Umland: 44,6 %; Weiterer Metropolenraum: 54,7 %). Ebenso häufig wie im weiteren Metropolenraum nutzten Schülerinnen und Schüler aus dem Süden Brandenburgs Social Media für mehr als zwei Stunden am Tag (54,6 %). Bei der Nutzung von Büchern war nur ein geringfügiger Unterschied festzustellen – im Berliner Umland lasen 6,8 % der Jugendlichen mehr als zwei Stunden täglich und im Weiteren Metropolenraum 7,6 %.
Bezüglich regionaler Unterschiede konnten für das Fernsehen/Streaming (Cramer’s V = 0,07; 95%-KI [0,02; 0,13]) und die Internetnutzung für schulische Belange (Cramer’s V = 0,07; 95%-KI [0,03; 0,12]) lediglich vernachlässigbar kleine Effekte festgestellt werden. Kleine Effekte der regionalen Zugehörigkeit zum Berliner Umland bzw. Weiteren Metropolenraum zeigten sich für das Spielen auf verschiedenen Endgeräten (Cramer’s V = 0,13; 95%-KI [0,08; 0,18]) und die Social Media-Nutzung (Cramer’s V = 0,10; 95%-KI [0,05; 0,15]). Für die Zugehörigkeit zum Süden Brandenburgs konnten keine vergleichbaren Effekte festgestellt werden.
Abbildung 42: Anteil der Jugendlichen mit täglicher Medienkonsums von mehr als zwei Stunden nach Schulform und Region (BJS6)
Im Zeitverlauf der Nutzungsdauer ausgewählter Medien von mehr
als zwei Stunden täglich seit der BJS4 sind unterschiedliche
Entwicklungen zu beobachten. Bei der Dauer des Fernsehens bzw. Schauens
von Serien lag der Anteil unter den Mädchen bei der BJS4 noch bei 49,4 %
und bei der BJS6 bei 35,9 % - dies entspricht einem Rückgang von 13,5
Prozentpunkten. Bei Jungen war ein Rückgang von 43,8 % auf 32,5 % zu
beobachten (- 11,3 Prozentpunkte). Betrachtet man das Spielen auf
Smartphones, Spielekonsolen oder auch dem PC lag der Anteil der Jungen,
die mehr als zwei Stunden täglich spielten, stabil bei circa 50 %. Bei
den Mädchen hingegen hat sich seit der BJS5 der Anteil von 12,1 % auf
19,7 % erhöht – ein Plus von 7,6 Prozentpunkten. Im Vergleich zu diesen
beiden digitalen Medien blieb der Anteil der mehr als zwei Stunden
täglich Bücher lesenden Jungen und Mädchen zeitlich weitestgehend
stabil. Bei der BJS4 lag der Anteil der Mädchen bei 13,7 % und bei der
BJS6 bei 11,7 %. Der Anteil der Jungen lag mit 4,1 % bereits bei der
BJS4 auf sehr niedrigem Niveau und hat sich bis zur BJS6 noch weiter
reduziert (2,8 %) (Abbildung 43).
Abbildung 43: Anteile der Jugendlichen mit einer Dauer der Mediennutzung von mehr als zwei Stunden für das Fernsehen/Schauen von Serien sowie das Spielen auf Computer, Konsole oder Smartphone im Zeitverlauf
Auch die Ergebnisse der Studie „Jugend, Information, Medien“ - kurz
JIM-Studie - im Jahr 2025 zeigen stabil hohe Nutzungsdauern von Medien
unter Jugendlichen in Deutschland. Sowohl das Schauen von Videos im
Internet als auch das Spielen digitaler Spiele über verschiedene
Endgeräte wurden von mehr als 70 % der Jugendlichen regelmäßig also
mehrmals wöchentlich berichtet. Ebenfalls vergleichbar mit den
Brandenburger Ergebnissen ist die deutlich seltenere Nutzung gedruckter
Bücher – dies gab im Rahmen der JIM-Studie nur knapp ein Drittel der
Befragten an [46].
Von Mobbing spricht man, wenn sich Gewalt mit der Intention zu schaden im Zusammenhang mit einem Ungleichgewicht von Macht zwischen den beteiligten Personen wiederholt. Diese Gewalt kann sowohl auf der verbalen und körperlichen Ebene, aber auch auf der sozialen Ebene über Ausgrenzung ausgeübt werden [47]. Die Folgen von Mobbing für die Opfer sind vielfältig und reichen von psychosomatischen Symptomen und Depressionen bis hin zu schlechteren Schulleistungen, Schulangst und -absentismus [48]. Die negativen Folgen beziehen sich aber nicht allein auf die direkten Opfer von Mobbing, sondern auch beobachtende Schülerinnen und Schüler können erhöhte Symptome für Ängste und Depressivität aufweisen [49].
Eine besondere Form des Mobbings findet dabei online, beispielsweise über soziale Netzwerke oder auch Messengerdienste, statt. Diese Form des Mobbings wird Cyber-Mobbing genannt und ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass sich die Täterinnen und Täter die Anonymität und leichte Zugänglichkeit dieser Medien zunutze machen [50].
Im Rahmen der BJS-Studie wird seit der vierten Welle im Schuljahr 2016/2017 mittels der Frage “Wurdest du schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing?” die Erfahrung der Jugendlichen als Opfer von Cyber-Mobbing erfragt.
Mit 13,8 % berichtete im Schuljahr 2024/2025 mehr als jede bzw. jeder zehnte Jugendliche bereits einmal Opfer von Cyber-Mobbing geworden zu sein. Mit 69,8 % berichtete bei der BJS6 ein überwiegender Teil der Jugendlichen, dass sie noch keine Erfahrungen als Opfer von Cyber-Mobbing gemacht haben. Weiterhin konnten 14 % nicht einordnen, ob sie bereits betroffen waren. Abbildung 39 zeigt die Verteilung der Betroffenheit von Cyber-Mobbing nach Geschlecht. Mit 15,9 % lag der Anteil der betroffenen Mädchen etwas höher als der Anteil der betroffenen Jungen (11,0 %).
Es konnte ein Unterschied in der Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing zwischen Jungen und Mädchen festgestellt werden. Die Effektstärke lag allerdings unter dem Referenzwert für einen kleinen Effekt (Cramér’s V = 0,08; 95%-KI [0,04; 0,11]), womit nicht von einer inhaltlichen Relevanz auszugehen ist.
Abbildung 44: Häufigkeit der Jugendlichen, die Erfahrungen als Opfer von Cyber-Mobbing haben nach Geschlecht (BJS6)
Zwischen den Schulformen zeigen sich teils drastische
Unterschiede bei der Betroffenheit der Schülerinnen und Schüler von
Cyber-Mobbing. Am häufigsten berichteten Schülerinnen und Schüler an
Förderschulen bei der BJS6 davon, bereits Erfahrungen mit Cyber-Mobbing
gemacht zu haben (39,8 %). Unter Schülerinnen und Schülern an
Gesamtschulen waren es mit 15,1 % und an Oberschulen 15,9 % und an
Gymnasien 9,4 % deutlich weniger betroffene Jugendliche. (Abbildung 40).
Auch für die Schulform konnte ein Unterschied mit einem kleinen Effekt
in der Häufigkeit der Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing festgestellt
werden (Cramér’s V = 0,13; 95%-KI [0,09; 0,17]).
Außerdem waren regionale Unterschiede zu beobachten. Der Anteil der Jugendlichen im Berliner Umland, der von Erfahrungen mit Cyber-Mobbing berichtete lag bei 11,8 %, während er im Weiteren Metropolenraum mit 15,2 % darüber lag. Im Süden Brandenburgs berichteten 12,7 % der Jugendlichen von ähnlichen Erfahrungen als Opfer von Cyber-Mobbing. Für die regionalen Gliederungseinheiten konnten keine Unterschiede mit belastbaren Effekten beobachtet werden.
Abbildung 45: Häufigkeit der Opfer von Cyber-Mobbing nach Schulform und Region (BJS6)
Neben der Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing wird in der BJS-Studie seit der vierten Welle im Schuljahr 2016/2017 auch die Tätererfahrung erfragt („Hast du dich schon einmal an Cyber-Mobbing gegen andere beteiligt?”).
Im Schuljahr 2024/2025 berichteten 10,4 % der Mädchen und mit 21,4 % rund doppelt so viele der Jungen, dass sie sich bereits aktiv an Cyber-Mobbing beteiligt haben (gesamt 16,3 %). Weitere 11,6 % der Jugendlichen insgesamt gaben zum Zeitpunkt der Befragung an, dass sie nicht wüssten, ob sie bereits aktiv an Cyber-Mobbing beteiligt waren (Abbildung 46). Es wurde ein belastbarer Unterschied in der Erfahrung mit aktiver Beteiligung an Cyber-Mobbing zwischen Jungen und Mädchen mit einem kleinen Effekt festgestellt (Cramér’s V = 0,14; 95%-KI [0,1; 0,17]).
Abbildung 46: Häufigkeit der Jugendlichen, die Erfahrungen mit aktiver Beteiligung an Cyber-Mobbing haben (BJS6)
Auch hinsichtlich der aktiven Beteiligung an Cyber-Mobbing sind
Unterschiede zwischen den Schulformen zu beobachten. Diese sind
in Abbildung 47 abgebildet. Mit 21,3 % und 20,2 % war an Oberschulen und
Förderschulen knapp jeder fünfte Schüler bzw. jede fünfte Schülerin
aktiv an Cyber-Mobbing beteiligt. An Gymnasien berichteten 13,4 % und an
Gesamtschulen 12,1 % deutlich weniger Schülerinnen und Schüler von einer
aktiven Beteiligung an Cyber-Mobbing. Für die Schulform wurde ein
Unterschied mit einer Effektstärke unterhalb des Referenzwertes für
einen kleinen Effekt in der Häufigkeit der Erfahrung als Opfer von
Cyber-Mobbing festgestellt (Cramér’s V = 0,09; 95%-KI [0,05;
0,12]).
Ähnlich wie bei der Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing lag im regionalen Vergleich auch bei der aktiven Beteiligung der Anteil im Weiteren Metropolenraum mit 19,3 % rund 7 Prozentpunkte über dem Anteil im Berliner Umland (12,4 %). Im Süden Brandenburgs lag der Anteil der aktiv beteiligten Jugendlichen bei 15,6 %. Nur für das Berliner Umland im Vergleich zum Weiteren Metropolenraum wurde ein Unterschied mit einem kleinen Effekt in der Häufigkeit der Erfahrung mit aktiver Beteiligung an Cyber-Mobbing beobachtet (Cramér’s V = 0,1; 95%-KI [0,04; 0,14]).
Abbildung 47: Häufigkeit der Erfahrung mit aktiver Beteiligugn an Cyber-Mobbing nach Schulform und Region (BJS6)
Seit der vierten Erhebungswelle der BJS-Studie im Schuljahr 2016/2017, dem Start der Erhebung der Erfahrungen mit Cyber-Mobbing bei Jugendlichen, zeigte sich ein Anstieg des Anteils der Jugendlichen mit Opfererfahrung von 7,0 % auf 13,8 % bei der BJS6. Während in Bezug auf die aktive Beteiligung an Cyber-Mobbing (Erfahrung als Täter) ein Anstieg zwischen der fünften und sechsten Welle von 7,2 % auf 16,3 % zu verzeichnen war.
Abbildung 48: Anteile der Jugendlichen mit Erfahrung als Opfer oder als aktiv Beteiligter an Cyber-Mobbing der BJS-Studie im Zeitverlauf
Insgesamt lagen die Häufigkeiten der Jugendlichen mit Erfahrung als
Opfer sowie mit aktiver Beteiligung an Cyber-Mobbing über den Werten,
die in der im Jahr 2022 durchgeführten HBSC-Studie Brandenburg
beobachtet wurden. Allerdings wurde auch hier im Vergleich zur
vorherigen Erhebung im Jahr 2018 ein deutlicher Anstieg der Betroffenen
und der aktiv Beteiligten beobachtet [2]. Auch die SINUS-Jugendstudie
konnte zeigen, dass Cyber-Mobbing unter Jugendlichen in Deutschland ein
verbreitetes Phänomen ist. Im Jahr 2024 gaben 16 % der befragten
Jugendlichen an, dass sie bereits von Mobbing im Internet betroffen
waren [51]. Dieses
Ergebnis ist vergleichbar mit dem der BJS6.
Im Folgenden soll aufgezeigt werden, welche wechselseitigen Zusammenhänge es zwischen Opfer- und Tätererfahrungen bei Cyber-Mobbing unter den Jugendlichen der 10. Klassen gab. Dafür wird betrachtet, wie groß die Anteile der Jugendlichen mit aktiver Beteiligung an Cyber-Mobbing nach eigener Erfahrung als Opfer sowie der Anteil derer mit Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing nach Erfahrung mit aktiver Beteiligung sind.
Abbildung 49 zeigt, dass unter Jugendlichen mit Erfahrung als Opfer von Cyber-Mobbing 28,8 % ebenso eine Tätererfahrung haben. 47,9 % gaben an, keine Erfahrung als Täter zu haben. In der Gruppe ohne Erfahrung als Opfer war der Anteil mit Tätererfahrung mit 12,6 % nur halb so groß. Entsprechend größer fiel auch der Anteil der Jugendlichen aus, die angaben, dass sie keine Erfahrung als Täter hatten (77,7 %).
In der Gruppe der Täter gab rund ein Viertel (24,3 %) an, dass ebenso Erfahrungen als Opfer von Cyber-Mobbing vorlagen. Mit 54,2 % gab etwas mehr als die Hälfte der Täter an, keine Erfahrung als Opfer gemacht zu haben. In der Gruppe der Jugendlichen ohne Tätererfahrung war dieser Anteil mit 78 % deutlich höher. Der Anteil der Jugendlichen mit Opfererfahrung war in der Gruppe derjenigen ohne Tätererfahrung hingegen deutlich geringer (9,5 %).
Bezüglich der Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen fällt auf, dass der Anteil der Jungen, der lediglich Täter war mit 18,5 % höher ausfällt als der Anteil der Mädchen mit 5,8 %. Ebenso fällt der Anteil der Mädchen, die angaben, dass sie neben der Erfahrung als Täterin auch Opfererfahrungen aufwiesen, mit 40,2 % deutlich höher aus als der Anteil der Jungen derselben Gruppierung (16 %).
Abbildung 49: Wechselseitige Zusammenhänge von Opfer- und Tätererfahrungen mit Cyber-Mobbing nach Geschlecht (BJS6)
Dies stimmt mit Befunden überein, dass eine klare Trennung zwischen
Opfern und Tätern auch in Bezug auf Cyber-Mobbing nicht immer möglich
ist, da es Überschneidungen zwischen den Rollen gibt [52]. So
gaben im Rahmen einer bundesweiten Studie des Bündnisses gegen
Cyber-Mobbing unter Schülerinnen und Schülern mehr als die Hälfte der
Täter und Täterinnen an, selbst schon Opfer von Cyber-Mobbing gewesen zu
sein [53]. Die vorliegenden
Ergebnisse der BJS-Studie erlauben aufgrund der querschnittlichen
Erhebung keine Analyse der zeitlichen bzw. kausalen Zusammenhänge
zwischen der Erfahrung als Opfer von und der aktiven Beteiligung an
Cyber-Mobbing.
Die selbsteingeschätzte Lebenszufriedenheit, die im Rahmen der BJS-Studie erhoben wird, gibt einen groben Anhaltspunkt zur Einschätzung der Lebenszufriedenheit der befragten Schülerinnen und Schüler. Sie spiegelt dabei den kognitiven Aspekt des subjektiven Wohlbefindens wider [54]. Die Lebenszufriedenheit ist abhängig von soziodemographischen Faktoren wie dem Geschlecht, wird aber auch maßgeblich von Lebensereignissen geprägt.
Im Rahmen der BJS-Studie wird die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen bereits seit der ersten Welle im Schuljahr 2004/2005 erhoben. Insgesamt gaben die Jugendlichen der BJS6 zu einem Viertel (24,1 %) an, dass sie zum Erhebungszeitpunkt ganz und gar zufrieden mit ihrem Leben waren. Weitere 36,2 % schätzten sich als zufrieden ein. Im mittleren Bereich lag knapp ein Vierteil der Jugendlichen (23,7 %). Als unzufrieden schätzten sich 13,5 % der Jugendlichen ein (darunter ganz und gar unzufrieden: 5,5 %). Besonders bei den ganz und gar zufriedenen Jugendlichen zeigten sich Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Während nur 17 % der Mädchen angaben, dass sie ganz und gar zufrieden mit ihrem Leben waren, lag der Anteil der Jungen bei 31,6 %. Auch zeigt sich, dass die Anteile der (ganz und gar) unzufriedenen Mädchen rund vier Prozentpunkte über denen der Jungen lagen (Mädchen: 15 %, Jungen: 10,6 %) (vgl. Abbildung 50).
Diese Differenzen spiegeln sich auch in der mittleren Lebenszufriedenheit (1 „ganz und gar zufrieden“ bis 5 „ganz und gar unzufrieden“) wider – diese lag bei Mädchen mit 2,5 niedriger als bei Jungen mit 2,1. Dieser Unterschied weist mit einer Effektstärke von d = - 0,27 (Welch-Test: 95%-KI [-0,26; -0,14] einen kleinen Effekt auf.
Abbildung 50: Verteilung der selbsteingeschätzten Lebenszufriedenheit nach Geschlecht bei (BJS6)
Die Betrachtung nach Schulform zeigt höhere Anteile zufriedener Jugendlicher an Gymnasien (63,3 %), Oberschulen (59,3 %) und Gesamtschulen (57,8 %). Lediglich an Förderschulen gab weniger als die Hälfte der Jugendlichen an, (ganz und gar) zufrieden zu sein (47,6 %). An allen anderen Schulformen waren höhere Anteile (ganz und gar) zufriedener Jugendlicher zu beobachten (Gesamtschulen: 57,8 %; Oberschulen: 59,3 %; Gymnasien: 63,3 %).
Etwas niedriger als die Differenzen zwischen den Schulformen fielen die regionalen Unterschiede aus. Im Berliner Umland waren 62,7 % (ganz und gar) zufrieden und im Weiteren Metropolenraum 58,5 %. Im Süden Brandenburgs lag der entsprechende Anteil bei 60,6 % (siehe Abbildung 51).
Weder für die Schulform noch für die regionalen Gliederungseinheiten konnten mittels Chi-Quadrat-Tests Unterschiede mit belastbaren Effekten für die Häufigkeit der (ganz und gar) zufriedenen Jugendlichen beobachtet werden.
Abbildung 51: Lebenszufriedenheit nach Schulform und Regionen (BJS6)
Eine höhere mittlere Lebenszufriedenheit unter Jungen im Vergleich zu
Mädchen sowie Unterschiede zwischen den Schulformen wurden bereits in
der HBSC-Studie Brandenburg beschrieben [2].
Im zeitlichen Verlauf war seit der ersten Erhebung der BJS-Studie zunächst ein leichter Anstieg des Anteils der (ganz und gar) zufriedenen bis zur BJS3 zu verzeichnen. Lag der Anteil der (ganz und gar) zufriedenen Jugendlichen im Schuljahr 2004/2005 noch bei 62,1 % waren es im Schuljahr 2012/2013 67,5 %. Danach folgte bis zum Schuljahr 2020/2021 ein stärkerer Rückgang um 10,3 Prozentpunkte auf 57,2 %, d.h. gut die Hälfte der Jugendlichen gab an, dass sie (ganz und gar) zufrieden waren. Im Kontrast dazu stieg der Anteil der (ganz und gar) unzufriedenen Jugendlichen seit der ersten Erhebung von 11,1 % auf 17,3 % bei der BJS5 kontinuierlich an. Dies bedeutet, dass sich besonders der Anteil der Jugendlichen mit mittlerer Lebenszufriedenheit verringert hat. Im Rahmen der BJS6 war dann wiederum ein Rückgang des Anteils der (ganz und gar) unzufriedenen Jugendlichen auf 13,5 % und ein Anstieg der (ganz und gar) zufriedenen Jugendlichen auf 60,3 % zu beobachten. Auffallend ist der zeitlich konstante Unterschied zwischen Mädchen und Jungen. Seit der ersten Erhebung fiel der Anteil der Mädchen, die angaben, dass sie (ganz und gar) zufrieden mit ihrem Leben waren, niedriger aus als der der Jungen. Weiterhin war seit Welle 3 bei den Mädchen ein stärkerer Rückgang des Anteils der Zufriedenen zu verzeichnen als bei den Jungen – der Unterschied hat sich seit der vierten Welle also noch vergrößert (vgl. Abbildung 52).
Abbildung 52: Anteile der (ganz und gar) zufriedenen und (ganz und gar) unzufriedenen Jugendlichen nach Geschlecht im Zeitverlauf
Ein Rückgang der Lebenszufriedenheit besonders während des zweiten
bundesweiten Lockdowns zur Verhinderung der Verbreitung der
COVID-19-Pandemie im Winter des Schuljahres 2020/2021 mit einem
nachfolgenden erneuten Anstieg konnte ebenso im Rahmen der bundesweiten
COPSY-Studie beobachtet werden [55,56]. Ein leichter Rückgang der
Lebenszufriedenheit zwischen 2018 und 2022 wurde für Brandenburg
Schülerinnen und Schüler bereits in der HBSC-Studie beschrieben [2].
Die Lebenszufriedenheit im Jugendalter hängt sowohl mit individuellen, aber auch mit umweltbezogenen sowie lebensstilbezogenen Faktoren zusammen. Neben Persönlichkeitsmerkmalen und der körperlichen Gesundheit auf der individuellen Ebene zählen dazu auch soziale Beziehungen beispielsweise innerhalb der Familie, des Freundeskreises oder der Schule sowie lebensstilbezogene Faktoren wie der Substanzkonsum [57].
Bereits bei der Auswertung der vorangegangenen Welle der BJS-Studie im Schuljahr 2020/2021 wurden Unterschiede in den Häufigkeiten des Anteils konsumierender Jugendlicher in Abhängigkeit von der Lebenszufriedenheit für Tabak, Alkohol, Amphetamine und stimmungsbeeinflussende Medikamente beobachtet. Unter den sehr unzufriedenen Jugendlichen war regelmäßiger Substanzkonsum am weitesten verbreitet [58].
Aus Abbildung 53 wird ersichtlich, dass die Anteile der (ganz und gar) unzufriedenen Jugendlichen beim Tabakkonsum mit 23,5 % besonders unter den täglich Konsumierenden erhöht war. Im Vergleich zu den anderen Konsumhäufigkeiten lagen die Anteile 7,8 Prozentpunkte für den unregelmäßigen Konsum und rund 12 Prozentpunkte im Vergleich zu keinem bzw. einmaligem Konsum darunter. Auch für Alkohol und Cannabis waren ähnliche Muster festzustellen – 44,1 % der täglich Alkohol und 40 % der täglich Cannabis Konsumierenden gaben an (ganz und gar) unzufrieden zu sein. Beim Konsum von E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizern war der größte Anteil unzufriedener Jugendlicher unter den regelmäßig (also wöchentlich) konsumierenden festzustellen. Dieser fiel mit 25,2 % allerdings deutlich niedriger aus.
Abbildung 53: Anteil unzufriedener Jugendlicher nach Konsumhäufigkeit und Substanz (BJS6)
Es wurden durchweg kleine aber belastbare Effekte festgestellt. Der
stärkste negative Zusammenhang konnte mit Spearmans Rho ρ =
-0,12 (95%-KI [-0,18; -0,06]) für die Konsumhäufigkeit von Cannabis und
die Lebenszufriedenheit festgestellt werden. Ebenso negativ aber
niedriger fallen die Zusammenhänge der Häufigkeit des Tabakkonsums
(ρ = -0,1; 95%-KI [-0,15; -0,04]), die Konsumhäufigkeit von
E-Zigaretten (ρ = -0,11; 95%-KI [-0,16; -0,06]) sowie von
Alkohol (ρ = -0,10; 95%-KI [-0,16; -0,04]) aus.
Besonders digitale Medien sind ein fester Bestandteil des Alltags junger Menschen. Allerdings werden auch vielfältige Risiken der Mediennutzung diskutiert. Systematische Übersichtsarbeiten zeigen Assoziationen zwischen exzessiver Bildschirmzeit mit Einschränkungen der mentalen Gesundheit auf [59]. So konnten in der Vergangenheit unter anderem Dosis-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen der Dauer des Fernsehens mit der Lebenszufriedenheit von Jugendlichen beobachtet werden [60].
Die Daten der BJS6 zeigen, dass die Anteile der (ganz und gar) unzufriedenen Jugendlichen besonders unter denen mit einer täglichen Mediennutzungsdauer von mehr als vier Stunden erhöht waren. Berichteten beispielsweise beim Fernsehen bzw. Filme schauen über Streamingdienste von bis zu vier Stunden zwischen 11,5 % und 13,7 % davon, unzufrieden zu sein, waren es beim täglichen Konsum von mehr als vier Stunden 22,6 % also rund ein Viertel der Jugendlichen. Ähnliche Verteilungen waren auch bei der Nutzung sozialer Medien und beim Lesen von Büchern zu beobachten. Beim Spielen von Spielen am Computer, PC oder auch auf der Konsole waren höhere Anteile unzufriedener Jugendlicher bereits bei einer täglichen Spieldauer von mehr als zwei Stunden zu beobachten. Bei geringerer Nutzungsdauer berichteten 10,7 bis 11,7 % von einer niedrigen Lebenszufriedenheit und bei einer längeren Nutzungsdauer waren es 17,1 bis 19,1 % (vgl. Abbildung 54). Dies deutet auf einen Zusammenhang von Unzufriedenheit mit langer Mediennutzungsdauer unabhängig vom genutzten Medium hin.
Abbildung 54: Anteil unzufriedener Jugendlicher nach Mediennutzungsdauer und Medium (BJS6)
Der stärkste Zusammenhang war hierbei für die Dauer der Nutzung sozialer
Medien festzustellen – eine längere tägliche Nutzungsdauer geht also mit
einer niedrigeren Lebenszufriedenheit einher (Spearmans Rho ρ =
-0,16; 95%-KI [-0,21; -0,10]). Es handelt sich dennoch um einen kleinen
Zusammenhang. Weiterhin konnten Zusammenhänge für die tägliche Dauer des
Fernsehens/Streamings (ρ = -0,07; 95%-KI [-0,12; -0,01]) sowie
das Lesen von Büchern festgestellt werden (ρ = -0,05; 95%-KI
[-0,10; -0,002]), , deren Effektstärken allerdings jeweils unterhalb des
Referenzwertes für einen kleinen Effekt lagen. Für das Spielen von
Computerspielen konnte kein belastbarer Zusammenhang mit der
Lebenszufriedenheit beobachtet werden.
Die Wirkrichtung bzw. Kausalität zwischen der Lebenszufriedenheit und der Dauer des Medienkonsums wurde im Rahmen des BJS-Studiendesigns nicht untersucht. Einerseits liegt es nahe, dass ein langer Medienkonsum zu einer niedrigen Lebenszufriedenheit führt. So legen Studien nahe, dass eine hohe bis problematische Mediennutzung die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann [62]. Anderseits kann auch eine niedrige Lebenszufriedenheit einen langen Medienkonsum bewirken [63]. Denkbar sind weiterhin weitere konfundierende Faktoren wie Einsamkeit oder die soziale Situation der Jugendlichen [64].
Die Dauer des Konsums allein scheint allerdings nicht ausreichend, um die vielfältigen Effekte von Medien auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden von Jugendlichen abzubilden. Vielmehr sollten auch die konsumierten Inhalte sowie die Art und Weise der Interaktion der Jugendlichen mit diesen Inhalten näher untersucht werden [59]. So konnten im Gegensatz zu den negativen Auswirkungen der Mediennutzung auch Assoziationen der aktiven Nutzung sozialer Medien mit einer höher wahrgenommenen Lebenszufriedenheit sowie sozialen Unterstützung beobachtet werden [65].
Die vorliegende Zusammenfassung basiert auf einem Datenpool, der über
20 Jahre hinweg erhoben wurde. Die Auswertung der BJS1 (Schuljahr
2004/2005) bis BJS6 (Schuljahr 2024/2025) ermöglicht somit eine
fundierte Beurteilung der Entwicklungen in den Bereichen des Substanz-
und Medienkonsums, des Cyber-Mobbing, des Glücksspiels und der
Lebenszufriedenheit von Brandenburger Jugendlichen in 10. Klassen über
diesen Zeitraum.
Beim Substanzkonsum sind unter Jugendlichen verschiedene Entwicklungen
in Abhängigkeit von der Substanz sowie der Konsumintensität zu
beobachten. Am weitesten verbreitet war weiterhin der Konsum von
Alkohol – nur knapp ein Drittel der Jugendlichen hatte zum
Befragungszeitpunkt noch nie oder nur einmal Alkohol konsumiert. Seit
der ersten Erhebung im Schuljahr 2004/2005 ist ein stetiger Rückgang bis
zum Schuljahr 2016/2017 und eine nachfolgende Stabilisierung der
Konsumhäufigkeit zu beobachten. Über die vergangenen 20 Jahre hinweg
stetig gesunken, ist weiterhin die Häufigkeit des regelmäßigen
Rauschtrinkens. Der Anteil regelmäßig rauschtrinkender Jugendlicher hat
im Schuljahr 2024/2025 seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht. Um eine
bessere bundesweite Vergleichbarkeit herstellen zu können, wäre eine
Anpassung der Definition des Rauschtrinkens an die Definition des BIÖG
denkbar. Diese beachtet auch geschlechtsbezogene Unterschiede bezüglich
des Alkoholkonsums, indem sie Rauschtrinken bei Frauen als den Konsum
von 4 oder mehr Getränke und bei Männern von 5 oder mehr Getränke
definiert.
Daneben spielten Tabak und erstmals auch
E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizer eine bedeutende Rolle beim
Substanzkonsum. Während beim Tabakkonsum im Vergleich zur BJS5-Studie
vier Jahre zuvor lediglich ein leichter Anstieg zu beobachten war, stieg
in der BJS6 der Anteil der „dampfenden“ Jugendlichen deutlich an. Mit
rund 13 % verwendete zuletzt mehr als jede bzw. jeder zehnte Jugendliche
täglich E-Zigaretten oder vergleichbare Produkte. Unter Mädchen wurden
diese häufiger genutzt als unter Jungen.
Im Fokus stand vor dem Hintergrund der Teillegalisierung von
Cannabis im April 2024 für die erwachsene Bevölkerung auch der
Cannabiskonsum unter Brandenburger Jugendlichen. Hierbei war im
Schuljahr 2024/2025 im Vergleich zu den vorherigen Erhebungswellen ein
gleichbleibender Anteil von regelmäßig Cannabis konsumierenden
Schülerinnen und Schülern zu beobachten.
Unter ärztlich nicht verordneten Medikamenten konsumierten die
Jugendlichen am häufigsten Medikamente zur Behandlung von
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Aber auch der
regelmäßige mindestens wöchentliche Konsum von nicht verordneten
Opioiden, Benzodiazepinen und anderen Medikamenten wie Antidepressiva
wurde angegeben, wenn auch von weniger als je einem Prozent der
befragten Jugendlichen.
Mit der BJS6 konnte erstmals ein differenzierterer Blick auf die
Konsumhäufigkeit einzelner Stoffe wie MDMA, Kokain oder Neue
Psychoaktiven Substanzen (NPS) geworfen werden. Wie auch in
vorherigen Erhebungswellen lagen die Konsumhäufigkeiten dieser
Substanzen unter Jugendlichen auf einem geringen Niveau. Einzig
Lachgas stellte hier einen Ausreißer dar. Zum
Befragungszeitraum war dieses für Minderjährige noch legal zu erwerben.
Rund 9 % der Jugendlichen gaben an, dass sie schon mindestens einmal
Lachgas konsumiert hatten. Niedriger lag der Anteil der Jugendlichen,
die berichteten, mindestens hin und wieder Lachgas zu konsumieren (rund
2 %).
Insgesamt auffallend ist, dass sich Konsummuster nach
Schulformen unterschieden. So fiel der Substanzkonsum an
Oberschulen für Tabak, E-Zigaretten/E-Shishas/Vaporizer, Alkohol und
Cannabis höher aus und an Gymnasien eher niedriger. Zu beachten ist
allerdings, dass sich die Konsumhäufigkeiten von Jungen und Mädchen je
nach Substanz und Schulform noch einmal deutlich voneinander
unterscheiden können. Darüber hinaus zeigten sich auch regionale
Unterschiede. Der Substanzkonsum fiel insgesamt für die genannten
Substanzen im Berliner Umland niedriger aus als im Weiteren
Metropolenraum. In Bezug auf Cannabis weicht dieser Befund von den
Ergebnissen der BJS4 und BJS5 ab – hier fiel der regelmäßige
Cannabiskonsum im Berliner Umland größer aus. Es ist unklar, welche
Mechanismen hier zu einer Veränderung der regionalen Konsummuster
geführt haben. Die Konsumhäufigkeiten im Süden Brandenburgs lagen mit
Ausnahme von Cannabis eher auf dem Niveau des Berliner Umlandes. Bei
Cannabis konsumierten die Jugendlichen aus dem Süden Brandenburgs
hingegen häufiger als Jugendliche aus dem Berliner Umland und dem
gesamten weiterem Metropolenraum.
Trotz der Erhebung des Substanzkonsums im Rahmen einer anonymen
Online-Erhebung ist dennoch zu beachten, dass Effekte der sozialen
Erwünschtheit beim Antwortverhalten der Jugendlichen nicht gänzlich
ausgeschlossen werden können [66,67].
Ein Häufigkeitsanstieg war beim Glücksspiel zu verzeichnen.
Nachdem der Anteil der Jugendlichen, die bereits hin und wieder
Erfahrungen mit Glücksspielautomaten sowie dem Glücksspiel im Internet
Erfahrung gemacht hatten, bis zum Schuljahr 2020/2021 rückläufig war,
ist der Anteil zuletzt wieder deutlich angestiegen. Rund jeder bzw. jede
zehnte Jugendliche berichtet davon, mindestens hin und wieder
Glücksspiele am Automaten bzw. im Internet zu nutzen. Besonders
hervorstach, dass Jugendliche, die regelmäßig an Automaten spielten,
auch zu einem größeren Anteil Glücksspiele im Internet spielten als
umgekehrt. Weit verbreitet war außerdem das Spielen von Online-Games mit
glücksspielähnlichen Inhalten. Hier könnte im Rahmen zukünftiger
Erhebungen über eine Abfrage des tatsächlichen Erwerbs beispielsweise
von Lootboxen eine Präzisierung der Gruppe der Jugendlichen, die
glücksspielähnlichen Mechanismen in Spielen ausgesetzt sind,
erfolgen.
Die angepasste Erhebung des Medienkonsums zeigte im Schuljahr
2024/2025, dass knapp die Hälfte der Jugendlichen allein Social Media
mehr als zwei Stunden am Tag nutzten und damit bereits die Empfehlungen
für die Gesamtdauer der täglichen Mediennutzung des BIÖG überschritten.
Besonders unter Mädchen scheint die Beliebtheit von Gaming im Vergleich
zur vorherigen Erhebungswelle gestiegen zu sein. Aber auch die Nutzung
weiterer Medien wie das Schauen von Filmen oder Serien über
Streamingdienste oder das Spielen auf Smartphones und Konsolen war unter
den Jugendlichen weiterhin weit verbreitet. Deutlich seltener wurde
hingegen die Internetnutzung für die Schule sowie das Lesen von Büchern
berichtet.
Als bedeutendes Phänomen im digitalen Raum stellt sich auch weiterhin
das Cyber-Mobbing dar. Während der Anteil der Jugendlichen mit
Erfahrung als aktiv Beteiligte an Cyber-Mobbing erst seit der BJS5
anstieg, nahm der Anteil der Jugendlichen mit Erfahrungen als Opfer von
Cyber-Mobbing bereits seit der BJS4 stetig zu. Mehr als jede bzw. jeder
zehnte Jugendliche berichtete, Erfahrungen als Opfer von Cyber-Mobbing
gemacht zu haben. Hier zeigte sich keine klare Rollentrennung zwischen
Opfern und Tätern, sondern deutliche Überschneidungen beider Erfahrungen
unter den Jugendlichen. Sowohl in der Gruppe der Jugendlichen mit
Tätererfahrung als auch der Gruppe mit Opfererfahrung waren vermehrt
Erfahrung als Täter bzw. umgekehrt als Opfer festzustellen.
Die Lebenszufriedenheit von Jugendlichen gilt als wichtiger
Indikator für ihr Wohlbefinden. Nachdem zwischen den Schuljahren
2012/2013 und 2020/2021 ein Rückgang des Anteils der zufriedenen
Jugendlichen zu beobachten war, ist die Lebenszufriedenheit zuletzt
wieder leicht angestiegen. Die subjektive Einschätzung der
Lebenszufriedenheit fiel bei Mädchen allerdings konstant schlechter als
bei den Jungen. Dies ist besonders von Bedeutung, wenn man die über
beide Geschlechter hinweg beobachteten Zusammenhänge zwischen der
Konsumhäufigkeiten von Substanzen und der Dauer der Mediennutzung
betrachtet. Es sind tiefergehende Auswertungen nötig, um das
Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu untersuchen und den Einfluss von
Geschlecht, Schulform und ggf. weiteren Einflussfaktoren zu
erörtern.
Als potenzielle Hilfen im Falle einer Problematik mit
Rauschmitteln gaben die Jugendlichen weiterhin vorrangig Personen
aus ihrem persönlichen Umfeld wie ihre engsten Freundinnen und Freunde
sowie Eltern und Großeltern an. Aber auch das Internet wurde erneut als
Anlaufstelle genannt. Zukünftig könnte hier genauer untersucht werden,
wie die Jugendlichen die Nutzung künstlicher Intelligenz als potenzielle
Unterstützung einschätzen.
Besonders am Beispiel der Verbreitung von E-Zigaretten durch neue
Produkte wie beispielsweise Einweg-E-Zigaretten wird deutlich, welche
drastischen Veränderungen im Konsumverhalten in kurzer Zeit auftreten
können. Vor diesem Hintergrund ist besonders die Beobachtung sich
möglicherweise vermehrt entwickelnder Nikotinabhängigkeiten und deren
ggf. ungleiche Verteilung innerhalb der jugendlichen Bevölkerung zu
beobachten. Mit dem Fokus auf evidenzbasierte Prävention ist
auch die zukünftige Beobachtung sich verändernder Konsumtrends unter den
Brandenburger Jugendlichen von Bedeutung.
Dieser Bericht wurde mit der Statistiksoftware R (Version 4.5.3 “Reassured Reassurer”) erstellt, die Interaktivität der Grafiken wurde mittels plotly (v2.11.1) realisiert.
Impressum
Herausgeber:
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Autorin und Autor:
Elisa Findeisen
Dr. Sascha Jatzkowski
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Stand:
September 2026
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