Elektromagnetische Felder - eine Gesundheitsgefahr?

Elektromagnetische Felder

Seit der Einführung des Mobilfunks hat die öffentliche Diskussion um mögliche Gesundheitsgefahren durch elektromagnetische Felder in der Umwelt zugenommen.

Elektromagnetische Felder technischen Ursprungs gehören zum Alltag der Menschen in den Industrieländern.

Ihre wichtigsten Quellen im niederfrequenten (NF-)Bereich sind die Anlagen der Elektroenergieversorgung bis hin zum elektrischen Haushaltgerät im persönlichen Umfeld.

Im Hochfrequenz (HF-)Bereich sind es die Funksendeanlagen der Telekommunikationsdienste wie Mobilfunk- und Rundfunk-/Fernsehsender. Im persönlichen Umfeld  gibt es ebenfalls eine Vielzahl von Quellen: Mikrowellenöfen, Handys, Schnurlostelefone, WLAN-Anlagen, um nur die wichtigsten zu nennen.

In den Bereich der elektromagnetischen Felder ist auch die Optische Strahlung einzuordnen. Unter Strahlenschutzaspekten ist hier die UV-Strahlung bedeutsam, der wir sowohl aus natürlichen (Sonnenstrahlung) als auch technischen Quellen, vor allem Solarien, ausgesetzt sind.

Insbesondere bei übermäßiger und ungeschützter Exposition birgt UV-Strahlung ein nicht zu vernachlässigendes, aber doch von vielen unterschätztes Risiko, etwa für Hautkrebs und allergische Reaktionen. Insbesondere durch Sonnenbrände im Kindesalter steigt das Risiko für einen späteren Hautkrebs.

Grenzwertsetzung bietet Schutz

Zunehmend wird im Alltag unter dem Begriff "Elektrosmog" über mögliche negative Wirkungen technisch erzeugter elektrischer,  magnetischer und elektromagnetischer Felder für die menschliche Gesundheit diskutiert.

Seit langem bekannt sind die so genannten thermischen Wirkungen solcher Felder. Darunter versteht man deren Eigenschaft, menschliches Gewebe zu erwärmen und dadurch zu schädigen. Bekannt ist auch, dass durch Feldwirkung im Körper schwache elektrische Ströme erzeugt werden, welche die körpereigenen Ströme - etwa in den Nervenbahnen - überlagern und lebenswichtige Funktionen stören können. Derartige Wirkungen können ausgelöst werden, wenn bestimmte Schwellen überschritten werden.

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) hat Empfehlungen zu Grenzwerten veröffentlicht, die eine Überschreitung dieser Wirkschwellen zuverlässig, d. h. mit einem Sicherheitsfaktor, verhindern.

Auf den Empfehlungen basiert auch die 26. Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes
(Verordnung über elektromagnetische Felder - 26. BImSchV). 
Sie regelt die Grenzwerte und weitere Anforderungen für Hochspannungsanlagen mit einer Nennspannung von mindestens 1000 Volt (Wechselstrom) bzw. 2000 Volt (Gleichstrom) sowie für Funksendeanlagen mit mindestens 10 Watt Leistung. Die Grenzwerte gewährleisten nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft einen zuverlässigen Schutz vor gesundheitlichen Schäden durch elektromagnetische Felder.

Vernünftige Vorsorgemaßnahmen sind nie verkehrt

Um den verbleibenden Unsicherheiten im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess Rechnung zu tragen, ist eine vorsorgliche Reduzierung von Feldstärken auch unterhalb der Grenzwerte grundsätzlich sinnvoll. Dem trägt der Gesetzgeber mit der 2013 überarbeiteten 26. BImSchV verstärkt Rechnung.

Mit dem Ziel des bundesweit einheitlichen Vollzuges der 26. BImSchV durch die Behörden wurden 2014 die "Hinweise zur Durchführung der Verordnung über elektromagnetische Felder" von der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) überarbeitet. Sie geben nun auch Empfehlungen zu den geänderten Anforderungen zur Vorsorge bei Hochspannungsanlagen und zur Beteiligung der Kommunen bei der Standortauswahl für Hochfrequenzanlagen entsprechend § 4 und § 7a der 26. BImSchV. 

Bei Neubau oder Änderung von Hochspannungsanlagen sind die Immissionen nach Stand der Technik soweit wie möglich zu minimieren. Insbesondere ist aus Vorsorgegründen das Überspannen von Gebäuden durch neu errichtete Hochspannungsleitungen mit 220 oder 380 kV nicht mehr zulässig.

Wer Wert auf eine Minimierung "hausgemachter" Felder legt, hat einige Möglichkeiten. Dazu zählt der - auch den Geldbeutel schonende - Verzicht auf den stand-by-Betrieb z. B. von TV- und Rundfunkgeräten oder das Aufstellen netzbetriebener Radiowecker nicht unmittelbar neben dem Kopf. Feldeinwirkungen z. B. bei DECT-Schnurlostelefonen reduzieren durch Aufstellung der Basiseinheit an einem Ort, der sowohl die Funkversorgung der Wohnung sicherstellt als auch unmittelbare Nähe zu üblichen Aufenthaltsorten der Wohnung vermeidet. Dies alles sind Maßnahmen der Minimierung weit unterhalb der Grenzwerte, nicht zur Vermeidung nachgewiesener Gefahren sondern aus dem allgemeinen Grundsatz der technischen Machbarkeit heraus. 

Die mit Abstand stärkste Quelle von HF-Feldern im häuslichen Bereich ist der Mikrowellenofen. Durch die Bauart bedingt bleibt die Energie innerhalb des Garraumes, eine 100-prozentige Abschirmung ist jedoch nie zu erreichen. Der für diese Geräte vorgeschriebene Höchstwert der "Leckstrahlung", einzuhalten in 5 cm Abstand, wird nach Messungen des Bundesamtes für Strahlenschutz bei technisch intakten Geräten im Mittel um das Hundertfache unterschritten. Dennoch ist davor zu warnen, mit der Nase an der Scheibe den Kochvorgang zu verfolgen.

Vorsicht vor Betrügern 

Neben der Forschung beschäftigen sich eine Vielzahl von vermeintlichen "Fachleuten" mit diesem Thema. Selektives Herauspicken bestimmter Studienergebnisse, unzulässiges Vereinfachen und Uminterpretieren, das Ziehen von für Laien scheinbar naheliegenden Schlussfolgerungen - das alles hat derzeit Konjunktur. Übrig bleiben "Informationen" deren Quelle und Wahrheitsgehalt für den Einzelnen kaum noch prüfbar sind, und die vor allem durch das Internet in immer neuen Varianten Verbreitung finden. Anbieter dubioser "Schutzprodukte" verwenden gezielt derartige Versatzstücke, um Ängste zu schüren und so den Umsatz ihrer Produkte zu steigern. Nach den Gesetzen der Naturwissenschaft lassen sich elektromagnetische Felder aber weder "Neutralisieren", noch "Harmonisieren" oder "Transformieren". Mit solcherart Versprechen beworbene Produkte bewirken lediglich mithilfe der Einbildungskraft ihres Käufers Effekte. Physikalisch sind sie wirkungslos. Vorsicht ist auch geboten bei den neuerdings auf Verkaufsveranstaltungen vermehrt angebotenen "Abschirmmatten". Zwar ist vom Prinzip her eine Abschirmung bestimmter Felder durch leitfähiges Material möglich. Hierfür ist aber eine bestimmte räumliche Lage von Abschirmung und Feldquelle Voraussetzung. Dies ist insbesondere bei der Verwendung der Matte als Unterlage nicht gegeben, es gibt sogar Hinweise auf mögliche lokale Erhöhungen des Feldes durch solche Matten. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt solche Matten weder zum Schutz vor Gesundheitsschäden noch seien sie geeignet zur vorsorglichen Minimierung von Feldern.

Mobilfunk: Anlagen, Standorte und Sicherheitsabstände

Als Standort wird der Ort bezeichnet, an dem eine Anlage installiert ist. Mehrere Anlagen in unmittelbarer Nähe, i. d. R. an einem Mast oder Antennenträger oder unmittelbar benachbart auf einem Hausdach, besitzen dabei den gleichen Standort.

Der Begriff Anlage ist nicht zu verwechseln mit dem der Antenne. Sehr häufig umfasst eine Anlage mehrere, zumeist drei, sogenannte Sektor-Antennen, welche in die verschiedenen Himmelsrichtungen abstrahlen.

Für Funksendeanlagen wird ein behördlich ermittelter Sicherheitsabstand zur Einhaltung der Grenzwerte vorgeschrieben. Bei dessen Berechnung wird eine Vorbelastung durch eventuell bereits in der Umgebung des Standortes vorhandene Anlagen berücksichtigt. Somit kann auch bei Anlagen neuer Technologien wie TETRA und LTE eine Grenzwertüberschreitung ausgeschlossen werden. In der Praxis liegen die von den Mobilfunkanlagen erzeugten Felder an allgemein zugänglichen Orten sehr weit unter den Grenzwerten. Die Sicherheitsabstände von der Antenne, an denen der Grenzwert im ungünstigsten Fall erreicht werden kann, liegen in der Größenordnung maximal einiger Meter. Das gilt für die Hauptstrahlrichtung; in die oft noch zusätzlich ausgewiesene Richtung senkrecht nach unten strahlen die Antennen noch deutlich schwächer.

Für Mobilfunksendeanlagen in Ihrer Nähe können Sie aus einer kartografischen Datenbank der Bundesnetzagentur Sicherheitsabstände und weitere Daten abfragen. Ebenfalls können Sie dort Ergebnisse der bundesweiten Messaktion einsehen, welche von der Bundesnetzagentur jährlich an hunderten ausgewählten Messorten durchgeführt wird.

Ergänzend zu diesen Messungen betreibt die Bundesnetzagentur automatische Messstationen (AMS) an wechselnden Orten. Diese messen jeweils über einen Zeitraum von ca. 3 Monaten rund um die Uhr das gesamte Spektrum elektromagnetischer Felder zwischen 9 kHz und 3 GHz. Die Ergebnisse sind auch in der Datenbank hinterlegt. Die Aufstellorte der AMS im Land Brandenburg werden in der Regel von der BNetzA gemeinsam mit uns festgelegt. Ihre Empfehlungen für einen geeigneten Ort nehmen wir gern entgegen.

Letzte Aktualisierung: 23.06.2016

Kontakt

LAVG Abteilung Verbraucherschutz
Dezernat V4

Angela Schulz
Telefon: 0331 8683-569
E-Mail: angela.schulz@lavg.brandenburg.de


Rainer Hoppe
Telefon: 0331 8683-567
E-Mail: rainer.hoppe@lavg.brandenburg.de