Pilze und Strahlenbelastung

In Brandenburg werden immer noch - Jahrzehnte nach Tschernobyl - Pilze auf Radioaktivität untersucht. Warum?

Die Radioaktivität in den Pilzen hat eine Halbwertzeit von immerhin 30 Jahren. Neben Tschernobyl sind deshalb sogar noch Belastungen aus der Zeit der Kernwaffenversuche Anfang der 60-er Jahre nachweisbar.

Auf was genau werden die Pilze untersucht?

Der radioaktive Stoff heißt Cäsium-137, ein "Abfallprodukt" der Kernspaltung.

Hat man jemals gefährliche Werte gemessen? Wie hoch sind die Werte heute?

Die Werte liegen inzwischen fast immer unter dem Handelsgrenzwert von 600 Bq/kg (Becquerel pro Kilogramm). Der Maximalwert in einer Marone lag bei 2.800 Bq/kg; das war im Jahr 1993. Von den bekannten Speisepilzen enthalten Maronen das meiste Cäsium. Noch mehr Cäsium findet man nur in weniger bekannten "Exoten". In einer Probe von Frostschnecklingen wurden vor 10 Jahren einmal 5.800 Bq/kg gemessen - der Spitzenwert überhaupt.

Gibt es Gegenden in Brandenburg, die besonders belastet waren? Wie steht Brandenburg diesbezüglich im Vergleich zu anderen Bundesländern da?

Im deutschlandweiten Vergleich gehört Brandenburg zu den am geringsten von Tschernobyl betroffenen Regionen. Im Westen und Nordwesten Brandenburgs gibt es aber zwei kleine Landstriche, in denen der Cäsiumgehalt des Bodens über dem Durchschnitt liegt - ähnlich hoch wie in Teilen Süddeutschlands.

Wieviele Pilze müsste man essen, damit die Strahlung von den Brandenburger Pilzen gefährlich werden könnte?

Von Pilzen, die mit 600 Bq/kg (Handelsgrenzwert) belastet sind, müsste man schon über 100 kg essen. Die Strahlenbelastung wäre dann ebenso so hoch, wie das was aus der Natur (Strahlung der Erdkruste, kosmische Strahlung) pro Jahr auf jeden von uns einwirkt. Unnötige Strahlenbelastung sollte zwar grundsätzlich vermieden werden - Sorgen wegen einer gelegentlichen Pilzmahlzeit braucht man sich aber nicht zu machen.